100%-Druckbildinspektion

Die 100%-Druckbildinspektion im Etikettendruck bezeichnet ein kamerabasiertes Prüfverfahren, bei dem jedes einzelne Etikett über die gesamte Bahnbreite und -länge kontinuierlich und vollflächig erfasst wird. Kein Bereich der laufenden Druckbahn bleibt dabei unkontrolliert. Das System erkennt Druckfehler, Materialfehler und Fehletiketten automatisch und dokumentiert diese in Echtzeit.

Technisch arbeiten 100%-Inspektionssysteme mit einer oder mehreren Zeilen- oder Matrixkameras, die das gesamte Druckbild zeilenweise aufnehmen und mit einem zuvor hinterlegten Referenzbild – dem sogenannten Golden Template – abgleichen. Abweichungen vom Referenzbild werden als Fehler klassifiziert und gemeldet. Die Inspektion erfolgt in-line, also direkt in der laufenden Druck- oder Weiterverarbeitungsmaschine, auch bei hohen Bahngeschwindigkeiten. Je nach Beleuchtungsprinzip kommen Auflicht- oder Durchlichtverfahren zum Einsatz; manche Systeme kombinieren beide Methoden in einem doppelten Aufnahmeverfahren. Erkannte Schlechtetiketten werden entweder markiert oder automatisch ausgeschleust und für spätere Auswertungen rapportiert. Marktgängige Systeme sind etwa der BST iPQ-Check, der Erhardt+Leimer SMARTSCAN MIS2, der QualiVision Label-Inspektor sowie das Einstiegssystem TubeScan XL.

Für den Etikettendruck hat dieses Verfahren eine besondere Bedeutung, weil Etiketten häufig in sehr hohen Stückzahlen auf Rolle produziert werden und ein einzelner unentdeckter Druckfehler ganze Chargen unbrauchbar machen kann. Die 100%-Druckbildinspektion wird sowohl in Druckmaschinen – Flexo-, Offset- und Digitaldruck – als auch in separaten Roll-zu-Roll-Inspektionsanlagen eingesetzt, die das fertig gedruckte Material vor der Auslieferung ein weiteres Mal vollständig prüfen. Typische Fehlerbilder, die dabei erkannt werden, sind Fehlfarben, Passerdifferenzen, Verschmutzungen sowie Materialbeschädigungen. Neben der Fehlererkennung unterstützt die lückenlose Protokollierung von Fehlerstatistiken und Rollenlosnummern die Rückverfolgbarkeit der Produktion – ein Aspekt, der insbesondere für Druckereien mit ISO-9001-Zertifizierung relevant ist.

Für Käufer von Etiketten bedeutet der Einsatz dieser Technologie, dass gelieferte Rollen nachweislich geprüft wurden und fehlerhafte Exemplare vor der Auslieferung ausgeschleust worden sind. Das reduziert das Risiko falscher oder fehlender Kennzeichnung beim Endkunden messbar. Besonders in regulierten Anwendungsbereichen wie Pharma, Lebensmittel oder Kosmetik, wo eine fehlerhafte Etikettierung direkte Sicherheitsfolgen haben kann, gilt die 100%-Druckbildinspektion als unverzichtbares Instrument zur Risikominderung. Für Etikettenhersteller wiederum trägt das Verfahren zur Makulaturreduzierung bei, da Fehler frühzeitig im Prozess erkannt und nicht erst beim Kunden entdeckt werden.