Set-Off (Abklatsch)

Set-Off, im Deutschen auch als Abklatsch bezeichnet, beschreibt im Druckwesen den ungewollten Übertrag von Druckfarbenkomponenten durch direkten Kontakt zwischen einer frisch bedruckten Oberfläche und einer gegenüberliegenden Fläche. Dies geschieht, wenn bedruckte Materialien gestapelt oder aufgewickelt werden, bevor die Druckfarbe vollständig gebunden hat. Im Kontext von Verpackungsmaterialien wird dieser Vorgang mitunter auch als unsichtbarer Abklatsch bezeichnet, da der Farbübertrag äußerlich oft nicht wahrnehmbar ist.

Technisch betrachtet entsteht Set-Off durch den sogenannten intimen Kontakt zweier Oberflächen unter Druck oder Eigengewicht: Die bedruckte Seite eines Bogens oder einer Rollenwicklung liegt dabei direkt auf der Rückseite des nächsten Bogens oder der nächsten Lage auf. Druckfarbenkomponenten können so von der bedruckten Seite auf die gegenüberliegende, nicht bedruckte Seite übergehen. Besonders im Offsetdruck bei Lebensmittelverpackungen ist dieses Phänomen relevant, da die Druckfarbenfilm-Seite in Kontakt mit der späteren Lebensmittelkontaktseite des darunterliegenden Materials geraten kann. Als Gegenmaßnahme wird in der Fachwelt die Auslegung einer funktionellen Barriere zwischen dem Druckfarbenfilm und der Lebensmittelkontaktseite diskutiert.

Für den Etikettendruck stellt Set-Off ein doppeltes Risiko dar: einerseits ein Qualitätsrisiko, andererseits ein Konformitätsrisiko. Bei Rollenware und Bogenware liegen bedruckte Etikettenflächen zwangsläufig aufeinander oder kommen mit Rückseiten in Berührung. Werden diese Etiketten später auf Verpackungen appliziert, die mit Lebensmitteln in Kontakt stehen, können übergegangene Druckfarbenkomponenten in das Lebensmittel migrieren. Genau hier greift die lebensmittelrechtliche Dimension: Artikel 3 der Verordnung (EG) Nr. 1935/2004 schreibt vor, dass Materialien und Gegenstände keine Bestandteile in Mengen abgeben dürfen, die die menschliche Gesundheit gefährden, die Zusammensetzung des Lebensmittels unvertretbar verändern oder dessen organoleptische Eigenschaften beeinträchtigen. Ergänzend dazu hält die Verordnung 2023/2006 fest, dass bedruckte Flächen nicht direkt mit dem verpackten Lebensmittel in Berührung kommen dürfen. Für Hersteller von Etiketten bedeutet das: Bereits bei der Auslegung von Druckfarben, Substraten und Lagerbedingungen muss Set-Off als Risikofaktor berücksichtigt werden. Für Etikettenkäufer ist relevant, dass bedruckte Materialien so gelagert und verarbeitet werden müssen, dass ein Abklatsch zuverlässig ausgeschlossen werden kann – insbesondere wenn die fertigen Etiketten im Lebensmittelumfeld eingesetzt werden sollen.