Stroboskop-Inspektion

Die Stroboskop-Inspektion bezeichnet im Etikettendruck die optische Kontrolle einer laufenden Druckbahn mithilfe von stroboskopischem Licht. Durch den gepulsten Lichtblitz erscheint die mit hoher Geschwindigkeit laufende Bahn für den Betrachter optisch „eingefroren“, sodass Druckfehler und Qualitätsabweichungen in Echtzeit erkannt werden können. Neben klassischen Stroboskop-Lampen kommen heute zunehmend digitale Stroboskop-Systeme zum Einsatz, die als vollwertige Inspektionssysteme für schmalbahnige Druckprozesse konzipiert sind.

Ein bekanntes Beispiel für ein solches digitales System ist TubeScan digital strobe von Nyquist Systems/BST, das ausdrücklich als Alternative zu herkömmlichen Stroboskop-Lampen entwickelt wurde. Im Etikettendruck erreichen solche Systeme bei typischen Bahnbreiten von 330 mm bis 430 mm Auflösungen von 83 µm beziehungsweise 100 µm; in speziellen Anwendungen sind Auflösungen bis zu 55 µm möglich. Diese technischen Parameter erlauben es, auch feine Druckdetails zuverlässig zu prüfen. Das System wird sowohl im laufenden Druckprozess als auch in der anschließenden Konfektionierung zur Endkontrolle eingesetzt, sodass die Qualität der Druckbahn in zwei voneinander getrennten Schritten geprüft wird. Die Barthel Gruppe setzte solche Systeme beispielsweise auf mehreren Maschinen sowohl im Druck als auch in der Konfektionierung ein.

Für den Etikettendruck ist die Stroboskop-Inspektion aus mehreren Gründen relevant. Sie ermöglicht eine 100-Prozent-Inspektion, also die lückenlose Kontrolle jedes einzelnen Abschnitts der laufenden Druckbahn, was auf eine Null-Fehler-Produktion ausgerichtet ist. Besondere Bedeutung hat dies bei anspruchsvollen Materialien und Anwendungen: Geprüft werden können unter anderem reflektierende Oberflächen, Prägungen, Sicherheitsmerkmale sowie sogenannte Clear-on-Clear-Anwendungen, bei denen transparente Druckfarben auf transparentem Trägermaterial verarbeitet werden und eine visuelle Kontrolle ohne technische Hilfsmittel kaum möglich wäre. Auch Genauigkeit, Lesbarkeit und Konformität von Produktetiketten lassen sich über Etiketteninspektionssysteme überprüfen. Für Etikettenhersteller bedeutet der Einsatz einer Stroboskop-Inspektion damit eine durchgängige Qualitätssicherung vom laufenden Druck bis zur fertigen Rolle oder zum fertigen Bogen. Für Käufer und Anwender von Etiketten erhöht die Methode die Wahrscheinlichkeit, dass fehlerhafte Etiketten den Produktionsprozess nicht verlassen. Normative Festlegungen oder gesetzliche Vorschriften speziell für die Stroboskop-Inspektion im Etikettendruck sind in den einschlägigen Quellen nicht dokumentiert; der Begriff beschreibt eine in der Praxis etablierte, aber nicht normativ standardisierte Prüfmethode.