Die Lineatur einer Rasterwalze bezeichnet die Anzahl der in ihre Oberfläche eingravierten Näpfchen oder Zellen pro Längeneinheit, üblicherweise angegeben in Linien pro Zentimeter (L/cm) oder Linien pro Zoll (LPI). Die Rasterweite beschreibt komplementär dazu den Abstand dieser Vertiefungen zueinander in Mikrometern: Eine hohe Lineatur bedeutet zwangsläufig eine kleine Rasterweite und umgekehrt. Gemeinsam bestimmen diese beiden eng verwandten Kenngrößen, wie viel Farbe eine Rasterwalze aufnehmen und dosiert an die Druckplatte weitergeben kann.
Die Rasterwalze, auch Aniloxwalze genannt, ist ein zylindrisches Bauteil im Farbwerk von Flexodruckmaschinen und Lackierwerken. Ihre Oberfläche trägt gleichmäßig verteilte Vertiefungen, die durch mechanische Gravur oder Lasergravur eingebracht werden. Das Gravurverfahren begrenzt dabei die maximal erreichbare Rasterfeinheit: Mechanisch gravierte Walzen erreichen bis zu etwa 200 L/cm, CO₂-Laser-Gravuren bis rund 400 L/cm, während keramikbeschichtete Walzen mit Lasergravur Lineaturen von 500 bis 600 L/cm ermöglichen. Chromrasterwalzen bleiben typischerweise auf Rasterfeinheiten bis etwa 200 L/cm beschränkt und erzielen dafür vergleichsweise hohe Zellenvolumina. Die Lineatur ist neben Zellentiefe, Flankenwinkel, Gravurwinkel und Steg-Napf-Verhältnis eine der wesentlichen Kenngrößen zur Beschreibung des Leistungsvermögens einer Rasterwalze.
Im Etikettendruck werden Rasterwalzen mit Lineaturen von typischerweise 120 bis 600 L/cm eingesetzt, je nach Anforderung an Farbmenge und Detailauflösung. Niedrige Lineaturen liefern größere Zellvolumina und damit höhere Tintenmengen, was für deckende Vollflächen und kräftige Farbaufträge vorteilhaft ist. Hohe Lineaturen ermöglichen feinere Zellen, geringere übertragene Farbmengen und damit höhere Druckauflösungen, wie sie für filigrane Logos, Kleinstschriften und Barcodes auf hochwertigen Etiketten erforderlich sind. Entscheidend für die Druckqualität ist die Abstimmung zwischen der Lineatur der Rasterwalze und der Rasterweite der verwendeten Druckplatte: Die Fachliteratur und Maschinenhersteller empfehlen ein Verhältnis von mindestens 1:6 bis 1:6,5. Bei einem Plattenraster von 54 L/cm sollte die Rasterwalze beispielsweise eine Lineatur von rund 340 L/cm aufweisen. Wird dieses Verhältnis nicht eingehalten, entstehen Punktzuwachs und Überfärbung, die Druckqualität leidet und die Lesbarkeit von Barcodes oder Sicherheitshinweisen wird beeinträchtigt. Für Käufer von Etiketten ist die durch die Lineatur mitbestimmte Druckschärfe damit ein direktes Qualitätsmerkmal, das die optische Erfassbarkeit von Codes, die Klarheit von Warnhinweisen und die Reproduzierbarkeit von Farben im industriellen Einsatz unmittelbar beeinflusst.