Wasserbasierter Inkjet

Wasserbasierter Inkjet bezeichnet ein digitales Tintenstrahldruckverfahren, bei dem eine auf Wasser basierende Tinte berührungslos über feine Düsen auf das Substrat aufgebracht wird. Nach dem Auftrag wird die Tinte kontaktlos thermisch getrocknet, typischerweise durch Infrarotstrahlung und Heißluft-Prallstrahltrocknung. Der Prozess gehört zur Gruppe der Non-Impact-Digitaldruckverfahren, da zwischen Druckkopf und Bedruckstoff kein mechanischer Kontakt stattfindet.

Technisch werden sehr kleine Tintentröpfchen gezielt aus Düsen abgeschossen und punktgenau auf der Substratoberfläche platziert. Das Druckbild liegt ausschließlich digital vor und wird direkt an die Druckeinheit übertragen, ohne dass Druckplatten oder Druckformen erforderlich sind. Die Tinte selbst enthält überwiegend Wasser als Lösungsmittel und damit deutlich weniger flüchtige organische Verbindungen als lösemittelbasierte Systeme. Es werden sowohl farbstoffbasierte als auch pigmentierte Tinten eingesetzt, wobei pigmentierte Varianten eine höhere Beständigkeit gegenüber UV-Licht und chemischen Einflüssen bieten. Für den Tintenkreislauf sind auf wasserbasierte Medien abgestimmte Förderpumpen erforderlich; Membranpumpen gelten hier als geeignete Wahl, um Abrieb, Wärmeentwicklung und Kavitation zu vermeiden.

Für den Etikettendruck ist der wasserbasierte Inkjet in mehrfacher Hinsicht bedeutsam. Da wasserbasierte Tinte auf herkömmlichen Oberflächen verlaufen oder nicht ausreichend schnell trocknen würde, müssen Etikettenmaterialien speziell für dieses Verfahren ausgelegt sein. Entsprechende Blankoetiketten verfügen über eine wasserabsorbierende Drucklackierung, die die Tinte sofort aufnimmt und ein Verwischen verhindert. Hersteller wie Avery Dennison bieten explizit für wasserbasierten Inkjetdruck konzipierte Etikettenmaterialien an. Im industriellen Rollendruck kommen Systeme wie die Screen Truepress Label 520 AQ zum Einsatz, die bei rund 520 mm Bahnbreite und Geschwindigkeiten von bis zu etwa 100 m/min produzieren. Daneben existieren Desktop-Farbetikettendrucker, die das Verfahren für den Bedarfsdruck im kleineren Maßstab nutzbar machen. Anwendungsfelder umfassen Etiketten für Lebensmittel, Getränke, Logistik, Automotive, Industrie und das Gesundheitswesen. Aus Sicht der Nachhaltigkeit und Regulatorik ist relevant, dass wasserbasierte Tinten aufgrund ihres geringen VOC-Anteils emissionsärmer sind als lösemittelbasierte Alternativen, was in einigen Ländern direkte kostenrelevante Auswirkungen durch VOC-bezogene Abgaben hat. Für lebensmittelnahe Etiketten spielt das verbesserte Emissionsprofil ebenfalls eine Rolle, auch wenn konkrete Normnummern für dieses Verfahren in der Fachliteratur nicht einheitlich benannt werden.