Polyimid, im Etikettendruck vor allem unter dem Markennamen Kapton® des Herstellers DuPont bekannt, bezeichnet eine hochleistungsfähige Folie aus aromatischem Polyimidpolymer, deren charakteristisches Strukturmerkmal die Imidgruppe ist. Das Material gilt als elektrisch isolierender Hochleistungswerkstoff mit außergewöhnlichen thermischen, chemischen und mechanischen Eigenschaften. Anders als viele andere Kunststoffe besitzt Polyimid keinen klassischen Schmelzpunkt und bleibt selbst unter extremen Temperaturbedingungen formstabil und funktionsfähig.
Im technischen Einsatz zeichnet sich Kapton-Folie durch einen Temperaturbereich von etwa −40 °C bis +300 °C aus, wobei kurzfristig sogar Spitzenwerte bis 400 °C möglich sind. Das Material ist nach UL 94 V-0 als selbstverlöschend klassifiziert und von Underwriters Laboratories unter der Datei E39505 mit der höchsten Temperaturbeständigkeit im Vergleich zu anderen Polyimidfolien gelistet. Hinzu kommen Chemikalien- und UV-Beständigkeit, hohe Dimensionsstabilität sowie Reißfestigkeit. Als Klebstoff kommen bei Polyimid-Etikettenmaterialien überwiegend hochtemperaturbeständige Silikonklebstoffe zum Einsatz, die auch bei extremer Hitze rückstandsfrei bleiben oder dauerhaft haften.
Für den Etikettendruck ist Polyimid vor allem dann relevant, wenn herkömmliche Papier- oder Kunststoffetiketten an ihre Grenzen stoßen. Die dünne, flexible Folie wird mit hitzebeständigem Klebstoff zu Hochtemperatur-Industrieetiketten verarbeitet und lässt sich mit gängigen Druckverfahren bedrucken – darunter Thermotransferdruck, Flexodruck und Offsetdruck. Besonders der Thermotransferdruck ist in der industriellen Kennzeichnung verbreitet, etwa für variable Daten, Barcodes und 2D-Codes. Typische Anwendungsfelder sind die Elektronikfertigung, wo Polyimid-Etiketten auf Leiterplatten (PCB) Löt- und Reflow-Prozesse mit Spitzentemperaturen bis 260–300 °C unbeschadet überstehen müssen, sowie die Kennzeichnung von Kabeln, Baugruppen und elektronischen Komponenten. Auch in der Luft- und Raumfahrt sowie der Automobilindustrie kommen Polyimid-Etiketten dort zum Einsatz, wo Etiketten dauerhaft hohen Temperaturen, Chemikalien und UV-Strahlung ausgesetzt sind.
Für Etikettenhersteller ermöglicht das Material die Entwicklung von Produkten für Märkte mit extremen Anforderungen. Die hohe Dimensionsstabilität verhindert Schrumpfen oder Verziehen während Hochtemperaturprozessen und gewährleistet so präzise, lesbare Kennzeichnung auch nach Lötzyklen. Für Anwender bedeutet der Einsatz von Polyimid-Etiketten eine dauerhaft sichere Rückverfolgbarkeit von Bauteilen über den gesamten Fertigungsprozess. Dem höheren Preis gegenüber Standardmaterialien stehen eine deutlich längere Lebensdauer und geringere Kosten durch entfallende Neubeschriftung in rauen Umgebungen gegenüber. Die UL-Listung und Flammhemmung nach UL 94 V-0 können darüber hinaus für die Produktzulassung in regulierten Bereichen der Elektro- und Elektronikindustrie entscheidend sein.