Ein Farbprofil ist ein standardisierter Datensatz, der das Farbverhalten eines bestimmten Geräts – etwa einer Druckmaschine, eines Monitors oder eines Scanners – beschreibt und dessen Farbwerte einem geräteunabhängigen Referenzfarbraum wie CIELAB gegenüberstellt. Im industriellen Druck handelt es sich dabei stets um ICC-Profile, also Dateien im Format des International Color Consortium, die als internationale Norm für die Charakterisierung von Ein- und Ausgabegeräten gelten. Technisch gesehen fungiert ein Farbprofil als Übersetzungstabelle zwischen den gerätespezifischen Farbwerten und einem neutralen Referenzsystem.
Im Prepress-Workflow wird das Farbprofil konkret dazu eingesetzt, Bilddaten von einem Farbraum in einen anderen zu konvertieren – beispielsweise von RGB-Daten (sRGB oder Adobe RGB) in den CMYK-Farbraum der Produktionsdruckmaschine. Dabei berücksichtigt das Profil nicht nur die Druckmaschine selbst, sondern auch das verwendete Substrat und das Druckverfahren, da beide den tatsächlich erzielbaren Farbraum unmittelbar beeinflussen. Für den Offsetdruck auf gestrichenen Papieren ist in Europa das Profil ISOcoated v2 weit verbreitet, das auf ISO-konformen Druckbedingungen basiert; für jede Digitaldruckmaschine existieren wiederum eigene, geräteabhängige Profile. Darüber hinaus kommen ICC-Profile bei Softproofs und Hardproofs zum Einsatz, um das spätere Druckergebnis bereits in der Vorstufe am Monitor oder auf einem Proofdrucker vorherzusagen. Professionell erstellte Profile werden mithilfe von Messgeräten und Testcharts individuell für eine Maschinen-Material-Kombination erstellt und müssen regelmäßig aktualisiert werden, um konstante Ergebnisse zu sichern.
Für den Etikettendruck ist der korrekte Einsatz von Farbprofilen aus mehreren Gründen entscheidend. Da Etiketten häufig auf unterschiedlichen Substraten wie Papier oder Kunststofffolie gedruckt werden, verändert sich der erzielbare Farbraum je nach Material erheblich – jede relevante Substrat-Maschinen-Kombination benötigt daher ein eigenes, abgestimmtes ICC-Profil. Druckdienstleister im Etiketten- und Verpackungsbereich fordern von Kunden entsprechend Druckdaten im CMYK-Modus mit einem definierten Profil, etwa ISOcoated v2, um Farbfehler in der Produktion von vornherein auszuschließen. Ohne ein passendes Profil interpretieren verschiedene Geräte im Workflow die Farbwerte unterschiedlich, was zu sichtbaren Abweichungen zwischen Dateiansicht und gedrucktem Etikett führt. Für Besteller von Etiketten bedeutet das konkret: Wer Druckdaten mit korrekt eingebettetem ICC-Profil liefert, sichert die Farbverbindlichkeit seiner Markenfarben über verschiedene Druckläufe und – sofern alle Beteiligten mit denselben Standardprofilen arbeiten – auch über verschiedene Lieferanten hinweg. Farbprofile sind damit ein zentrales Werkzeug, um reproduzierbare, qualitativ konsistente Etiketten zu gewährleisten.