Emissionsgrad und Transmissionsgrad sind zwei physikalische Kenngrößen aus der Infrarot-Messtechnik, die beschreiben, wie ein Material mit Wärmestrahlung umgeht. Der Emissionsgrad (ε) gibt an, wie viel Infrarotstrahlung ein reales Material im Vergleich zu einem idealen schwarzen Körper abgibt – er liegt dimensionslos zwischen 0 und 1. Der Transmissionsgrad (T) beschreibt entsprechend, wie viel IR-Strahlung ein Material durchlässt, also seine Durchlässigkeit für Infrarotstrahlung, ebenfalls zwischen 0 und 1. Zusammen mit dem Reflexionsanteil ergibt sich stets: Emission + Reflexion + Transmission = 1.
In der Praxis werden beide Kenngrößen eingesetzt, um berührungslose Infrarot-Temperaturmessungen korrekt durchzuführen. Pyrometer und IR-Thermometer registrieren die von einer Oberfläche abgegebene Wärmestrahlung und errechnen daraus die Temperatur – aber nur dann präzise, wenn der tatsächliche Emissionsgrad des Messobjekts im Gerät eingestellt ist. Der Emissionsgrad hängt von Materialart, Oberflächenbeschaffenheit, Temperatur, Wellenlänge und Messwinkel ab. Nichtmetalle wie Papier, Kunststoffe, Lacke und Druckfarben weisen in der Regel hohe Emissionsgrade zwischen 0,70 und 0,98 auf, während polierte Metalle mit Werten von teils unter 0,05 kaum Strahlung abgeben und messtechnisch schwer zu erfassen sind. Oxidierte oder beschichtete Metalloberflächen – etwa Stahl mit Oxidschicht – erreichen dagegen deutlich höhere Werte um 0,79.
Für den Etikettendruck sind Emissionsgrad und Transmissionsgrad an mehreren Prozessstellen unmittelbar relevant. In Etikettendruckmaschinen mit Infrarot- oder Heißluft-Trocknern überwachen IR-Sensoren kontaktlos die Temperatur der laufenden Materialbahn. Damit diese Messung stimmt, muss der Emissionsgrad des jeweiligen Substrats – ob Papier, Folie oder beschichtetes Material – im Sensor hinterlegt sein. Bei Laminier-, Kaschier- und Beschichtungsanlagen gilt dasselbe für Klebstoffschichten und Lackfilme. Besonders kritisch wird die Messung bei dünnen Plastikfolien, wie sie für Folienetiketten, Schrumpfetiketten oder Sleeves eingesetzt werden: Je dünner die Folie, desto geringer ihr Emissionsgrad – weil ein zunehmender Anteil der Infrarotstrahlung durch das Material hindurchtritt, also transmittiert wird, anstatt abgegeben zu werden. Dieser Transmissionsanteil täuscht dem Sensor Strahlung vor, die nicht von der Folie selbst stammt, sondern aus dem Hintergrund, was zu Messfehlern führt. In solchen Fällen muss der Transmissionsgrad explizit in die Messkonfiguration einbezogen werden. Auch bei der Prozesskontrolle polierter Metallwalzen oder Druckzylinder stellt der niedrige Emissionsgrad eine Herausforderung dar; eine praktische Lösung besteht darin, einen kleinen Bereich der Oberfläche mit Lack oder Klebeband zu versehen, um die Emissivität gezielt anzuheben und eine verlässliche Temperaturmessung zu ermöglichen.