Releasecoat

Ein Releasecoat (auch Release Coating oder Trennbeschichtung) ist eine sehr dünne, funktionale Schicht auf Papier- oder Folienträgern, die die kontrollierte Ablösbarkeit von druckempfindlichen Etiketten ermöglicht. Sie reduziert die Haftkraft des Klebstoffs gegenüber dem Trägermaterial gezielt und definiert damit die sogenannte Release Performance – die exakt einstellbare Ablösekraft. Im Etikettendruck wird diese Beschichtung überwiegend auf Silikonbasis eingesetzt.

Die technische Basis bilden meist Silicone Release Coatings: extrem dünne, ausgehärtete Silikonschichten, die auf Papier oder Folie aufgebracht und anschließend thermisch oder anderweitig gehärtet werden. Als Trägermaterialien kommen silikonisierte Papiere sowie Polyesterfolien wie HOSTAPHAN oder andere Kunststofffolien in Frage. Im Aufbau eines Etikettenverbunds steht der Releasecoat als eigenständige Komponente neben dem Trägermaterial und dem druckempfindlichen Klebstoff. Der beschichtete Träger fungiert als Release Liner – die Trägerbahn, auf der das Etikett bis zur Applikation aufliegt. Das Aufbringen des Releasecoats erfolgt mit industriellen Beschichtungsverfahren wie Rakel-, Walzen- oder Slot-Die-Coating; die Substrate werden vor der Beschichtung in der Regel vorbehandelt, um eine gleichmäßige Haftung der Trennschicht sicherzustellen.

Für den Etikettendruck hat der Releasecoat unmittelbare praktische Bedeutung auf mehreren Ebenen. In der Herstellung ermöglicht er den störungsfreien Transport der Etikettenrolle durch alle Produktions- und Konfektionierungsschritte – vom Druck über das Stanzen bis zur Auslieferung. Ein korrekt ausgelegtes Releasecoating verhindert Probleme wie unkontrolliertes Haften, Blocken oder ungleichmäßiges Abziehen, was insbesondere bei hohen Bahngeschwindigkeiten entscheidend ist. Bei der Materialauswahl können Hersteller durch die Kombination von Träger, Releasecoat und Klebstoff die Eigenschaften des gesamten Etikettenverbunds gezielt steuern – etwa für unterschiedliche Klebstoffsysteme, Etikettendicken oder Applikationsgeschwindigkeiten.

Für den Anwender, der Etiketten in automatisierten Linien verarbeitet, ist eine stabile und reproduzierbare Release Performance entscheidend: Sie reduziert Maschinenstillstände und Fehletikettierungen. Zudem schützt der Releasecoat den druckempfindlichen Kleber bis zum Zeitpunkt der Applikation. Bei Etiketten für Lebensmittelverpackungen ist außerdem die regulatorische Konformität zu beachten: Beschichtungssysteme, die potenziell mit Lebensmitteln in Kontakt kommen, müssen die Anforderungen der EU-Verordnung 1935/2004 erfüllen. Der Releasecoat ist damit kein sichtbares, aber funktional unverzichtbares Element im Aufbau jedes selbstklebenden Etiketts.