Lesekontrast bezeichnet den Helligkeits- und Kontrastunterschied zwischen einem Kennzeichnungselement – etwa Schrift oder Symbol – und seinem Hintergrund. Er bestimmt maßgeblich, ob ein Etikett von Menschen oder Maschinen zuverlässig gelesen werden kann. Ein ausreichender Lesekontrast gilt dabei als grundlegende Voraussetzung für die Lesbarkeit gedruckter Medien und Kennzeichnungen.
Technisch wird der Lesekontrast auf Basis von Leuchtdichten beziehungsweise Reflexionswerten berechnet. Als anerkanntes Berechnungsverfahren kommt dabei die Michelson-Formel zum Einsatz, wie sie in der DIN 32975 beschrieben wird. Diese Norm definiert auch konkrete Kontrastwerte für Markierungen und Beschriftungen. Ergänzend dazu legt die DIN 1450 „Schriften – Leserlichkeit“ Empfehlungen für die leserliche Gestaltung von Schriften in Printmedien fest. Die WCAG benennen darüber hinaus Mindestkontrastverhältnisse für Text und dienen als weitere Referenz bei der Kontrastbewertung. Die Reflexionseigenschaften der verwendeten Materialien – also Farbe und Oberfläche von Etikett und Untergrund – fließen direkt in diese Berechnung ein, weil sie die gemessene Leuchtdichte beeinflussen.
Im Etikettendruck ist der Lesekontrast in mehrfacher Hinsicht praxisrelevant. Grundlegende Gestaltungsregel ist der Einsatz dunkler Schrift auf hellem Hintergrund oder umgekehrt, um einen ausreichenden Unterschied zwischen Vorder- und Hintergrund sicherzustellen. Besonders bei kleinen Etiketten mit geringer Schriftgröße kommt dem Lesekontrast eine kritische Bedeutung zu, weil eine ohnehin eingeschränkte Lesbarkeit durch unzureichenden Kontrast weiter verschlechtert wird. Maschinenlesbare Etiketten werden von Sensorsystemen erfasst, die ebenfalls auf ausreichende Kontrastverhältnisse angewiesen sind, um Produktinformationen zuverlässig auszulesen. Druckverfahren wie Thermotransferdruck, Siebdruck, Flexodruck und Digitaldruck erzeugen unterschiedliche Farbdichten und Oberflächeneigenschaften, die sich auf den resultierenden Kontrast auswirken. Hersteller von Etiketten müssen daher Schriftfarbe, Hintergrundfarbe, Etikettengröße und Druckverfahren aufeinander abstimmen, um die Lesbarkeit dauerhaft zu gewährleisten. Ein empfohlener Schritt im Produktionsprozess ist die Prüfung von Prototypen und Andrucken auf realen Zieloberflächen vor dem Serienstart, da der tatsächliche Kontrast immer auch vom Untergrund abhängt, auf dem das Etikett angebracht wird. Für Käufer und Anwender von Etiketten hat der Lesekontrast unmittelbare praktische Konsequenzen: Er entscheidet darüber, ob Kennzeichnungen, Produktinformationen und maschinenlesbare Codes im Alltag sicher und fehlerfrei erfasst werden können.