Haftmaterialhersteller

Als Haftmaterialhersteller werden Unternehmen bezeichnet, die selbstklebende Haftverbunde entwickeln und produzieren, die als Rohmaterial für die Herstellung von Etiketten dienen. Diese Haftverbunde bestehen typischerweise aus drei Schichten: einem Obermaterial aus Papier oder Folie, einer Klebstoffschicht sowie einem silikonisierten Trägermaterial, dem sogenannten Liner. Der Begriff ist im deutschsprachigen Markt gebräuchlich, ohne jedoch als formell normierter Fachterminus festgelegt zu sein.

In der Produktion eines Haftverbunds werden mehrere Verarbeitungsschritte kombiniert. Das Trägermaterial wird zunächst mit Silikon beschichtet, um die spätere Ablösbarkeit der Etiketten zu gewährleisten. Anschließend wird der Klebstoff in definierter Schichtdicke auf den Träger oder das Obermaterial aufgetragen, bevor Obermaterial und klebstoffbeschichteter Träger durch Kaschieren oder Laminieren zu einem einheitlichen Haftverbund zusammengefügt werden. Das fertige Material wird dann in Rollen oder Bögen konfektioniert und an Etikettendruckereien geliefert. Als Obermaterialien kommen neben verschiedenen Papiersorten auch Folien wie PET, PP, PE, PVC oder Polyimid für Hochtemperaturanwendungen zum Einsatz. Die Klebstoffauswahl reicht von permanent über ablösbar bis hin zu Spezialklebstoffen für Tiefkühl-, Reifen- oder Chemikalienanwendungen.

Für den Etikettendruck hat die Wahl des Haftmaterials unmittelbare Konsequenzen auf nahezu jede Stufe der Wertschöpfungskette. Druckereien sind auf konstante Materialqualität angewiesen, da Schwankungen in Obermaterial, Klebstoff oder Liner die Druckqualität, Stanzbarkeit und Etikettiergeschwindigkeit direkt beeinflussen. Optimierte Klebstoffaufträge und Trägerdicken wirken sich auf Materialverbrauch, Maschinengeschwindigkeit und Ausschussrate aus, was die Wirtschaftlichkeit der Produktion spürbar beeinflusst. Für Anwender von Etiketten in Industrie, Handel und Logistik bestimmt das eingesetzte Haftmaterial, ob ein Etikett unter realen Bedingungen dauerhaft haftet, Barcodes und RFID-Informationen über die gesamte Produktlebensdauer lesbar bleiben und ob die gesetzlichen Anforderungen etwa im Lebensmittel- oder Pharmabereich erfüllt werden. In regulierten Umgebungen bieten Haftmaterialhersteller dafür zertifizierte Materialqualitäten an, die spezifischen Migrationsanforderungen oder Beständigkeitsnachweisen genügen. Der Haftmaterialhersteller steht damit am Beginn der Prozesskette des Etikettendrucks: Seine Entwicklungs- und Fertigungsentscheidungen bestimmen maßgeblich, welche Druckverfahren, Weiterverarbeitungsanlagen und Etikettiermaschinen mit dem jeweiligen Material kompatibel sind und welche Endanwendungen zuverlässig bedient werden können.