ODM steht für „Original Design Manufacturer“ und bezeichnet ein Unternehmen, das Produkte eigenständig entwirft und herstellt, die anschließend von anderen Firmen unter deren eigener Marke verkauft werden. Im Unterschied zum OEM-Modell, bei dem ein Hersteller nach vorgegebenen Kundenspezifikationen fertigt, entwickelt ein ODM eigene Designs und stellt diese verschiedenen Markeninhabern zur Vermarktung bereit. ODM ist damit kein drucktechnischer Fachbegriff, sondern beschreibt ein Beschaffungs- und Geschäftsmodell.
Im Etikettendruck tritt ODM auf zwei Ebenen in Erscheinung. Erstens gibt es ODM-Hersteller von Etikettendruckern, etwa tragbaren Geräten für das E-Commerce-Fulfillment: Der Produzent entwickelt und baut die Hardware vollständig und ermöglicht anderen Unternehmen, diese Drucker unter eigenem Markennamen zu vertreiben. Zweitens agieren ODM-Anbieter im Verpackungs- und Private-Label-Umfeld als Komplettdienstleister: Sie liefern nicht nur das Produkt selbst, sondern auch Etikettendesign, Behälterform und Umverpackung als fertiges Paket. Der Markeninhaber muss lediglich sein Label aufbringen und das Produkt vertreiben, ohne eigene Entwicklungs- oder Produktionskapazitäten aufzubauen.
Für den Etikettendruck ist das ODM-Modell aus mehreren Gründen praxisrelevant. Da ODM-Partner vorgefertigte Designs bereitstellen, verkürzt sich die Zeit bis zur Markteinführung erheblich, weil aufwendige Entwicklungsprozesse entfallen. Unternehmen können Etikettendrucker oder etikettierfertige Produkte kosteneffizient beziehen, häufig durch Fertigung in Niedriglohnländern, was höhere Gewinnspannen ermöglicht. Die konkrete technische Ausgestaltung – also welche Druckverfahren wie Thermotransfer, Flexodruck oder Digitaldruck zum Einsatz kommen und welche Trägermaterialien wie Papier oder Folie verwendet werden – hängt vom jeweiligen ODM-Produkt und dessen Anforderungen ab, nicht vom Begriff ODM selbst. Qualitätsanforderungen an Lesbarkeit, Haltbarkeit von Barcodes sowie Materialtauglichkeit gegenüber Temperatur, Feuchtigkeit oder Chemikalien gelten dabei unverändert und unabhängig davon, ob ein Produkt über das ODM-Modell beschafft wurde. Für Facheinkäufer und Produktmanager bedeutet ODM konkret: Wer Etikettendrucker oder etikettierte Produkte über einen ODM-Partner bezieht, erhält zugang zu spezialisiertem Fertigungs-Know-how und fertigen Lösungen, trägt jedoch selbst die Verantwortung dafür, dass die gewählten Materialien und Verfahren den eigenen Anforderungen und geltenden Standards entsprechen.