Zertifizierungsstelle

Eine Zertifizierungsstelle ist eine unabhängige dritte Instanz, die prüft, ob Produkte, Prozesse oder Dienstleistungen die Anforderungen einer definierten Norm erfüllen, und diese Konformität anschließend bestätigt. Die Anforderungen an solche Stellen sind in der Norm EN ISO/IEC 17065 geregelt, die speziell für die Zertifizierung von Produkten, Prozessen und Dienstleistungen gilt. Entscheidend ist dabei die Unabhängigkeit: Die Zertifizierungsstelle steht außerhalb des Hersteller-Käufer-Verhältnisses und schafft damit eine neutrale, nachprüfbare Aussage über die Normkonformität.

Im praktischen Einsatz durchläuft ein Produkt oder ein Prozess ein normiertes Prüfverfahren, das von der Zertifizierungsstelle durchgeführt oder überwacht wird. Werden die festgelegten Anforderungen erfüllt, stellt die Stelle ein Zertifikat aus, das die Konformität dokumentiert. Die geltenden Normen legen dabei fest, welche Eigenschaften geprüft werden, nach welchen Methoden dies geschieht und wie die Ergebnisse zu bewerten sind. Zertifizierungen können sich auf Materialien, auf Herstellungsprozesse oder auf fertige Produkte beziehen, je nachdem, was die jeweilige Norm vorschreibt.

Für den Etikettendruck ist die Rolle von Zertifizierungsstellen besonders in regulierten Anwendungsbereichen relevant. Ein konkretes Beispiel ist die BS 5609, eine britische Norm für druckempfindliche Klebeetiketten, die auf Containern und Fässern im Überseetransport eingesetzt werden. Zertifizierungsstellen prüfen hier, ob die Etiketten auch nach Meerwassereinwirkung und Sandabrieb noch haften und lesbar bleiben. Etiketten, die für den Transport gefährlicher Güter auf dem Seeweg vorgesehen sind, müssen diese Zertifizierung nachweisen können. Ein weiteres Beispiel ist die UL-Zertifizierung: Etiketten, die nach UL-Normen geprüft wurden, müssen im Rollenkern mit der UL-File-Nummer, der eindeutigen Materialbezeichnung und dem Herstellungsort gekennzeichnet sein, um die Rückverfolgbarkeit sicherzustellen.

Für Hersteller und Druckereien bedeutet die Einbindung einer Zertifizierungsstelle, dass ihre Etiketten ein objektives Prüfverfahren bestehen und damit für spezifische regulierte Anwendungen freigegeben werden können. Für Käufer schafft die Zertifizierung eine belastbare Grundlage für die Produktauswahl, da die Normkonformität nicht nur behauptet, sondern durch eine unabhängige Stelle bestätigt wurde. In regulierten Lieferketten, etwa im Chemie- oder Gefahrgutbereich, ist der Nachweis einer solchen Zertifizierung häufig keine Option, sondern Voraussetzung für den Einsatz des Etiketts.