Im Etikettendruck bezeichnet „apolar“ – gleichbedeutend mit „unpolar“ – eine Oberfläche mit niedriger Oberflächenspannung, die für Klebstoffe schwer zu benetzen ist. Solche Oberflächen bestehen überwiegend aus Kunststoff und gelten im Fachjargon als niederenergetisch und schwer beklebbar. Der Begriff beschreibt damit nicht den Klebstoff selbst, sondern den Haftgrund, also das Substrat, auf das ein Etikett aufgebracht werden soll.
Der direkte Bezug zur Haftphysik liegt in der Oberflächenenergie: Polare, hochenergetische Oberflächen lassen sich von Klebstoffen gut benetzen, sodass eine zuverlässige Verbindung entsteht. Apolare, niederenergetische Kunststoffoberflächen hingegen erschweren diese Benetzung erheblich. Standardklebstoffe, die auf gläsernen oder metallischen Untergründen problemlos funktionieren, haften auf apolaren Substraten häufig nicht ausreichend. Aus diesem Grund ist bei der Konstruktion eines selbstklebenden Etiketts – das grundsätzlich aus Obermaterial, Klebstoffschicht und Trägermaterial besteht – die Auswahl der Klebstoffschicht entscheidend davon abhängig, ob der Untergrund polar oder apolar ist. Das Druckverfahren selbst, ob Digitaldruck, Flexodruck, Offsetdruck oder Thermotransfer, bleibt von dieser Unterscheidung unberührt; die Anpassung erfolgt ausschließlich über den Haftverbund.
Für den Etikettendruck ist der Begriff aus mehreren Gründen von praktischer Bedeutung. Hersteller müssen bei apolaren Kunststoffoberflächen gezielt spezielle Haftmaterialien und Klebstoffsysteme einsetzen, die für solche schwer beklebbaren Substrate entwickelt wurden. Etikettenhersteller bieten deshalb ausdrücklich Lösungen für polare und unpolare Oberflächen an und betonen, dass Klebstofftyp und Untergrund aufeinander abgestimmt sein müssen. Für Käufer und Anwender von Etiketten bedeutet das konkret: Wer Produkte mit apolaren Kunststoffoberflächen etikettieren möchte, muss dies bei der Bestellung kommunizieren, damit der Hersteller geeignete Haftmaterialien mit passenden Klebstoffen auswählen kann. Wird dieser Schritt übersprungen und ein Standardetikett auf einem apolaren Untergrund verwendet, ist eine unzureichende oder vollständig fehlende Haftung die wahrscheinliche Folge. Zusätzlich ist zu klären, welche Hafteigenschaften gewünscht sind – ob das Etikett dauerhaft haften, ablösbar oder unter besonderen Bedingungen wie Tiefkühlung einsatzfähig sein soll – da diese Anforderungen die Wahl des Klebstoffsystems bei apolaren Oberflächen weiter einschränken. Die Kenntnis des Begriffs „apolar“ ist damit ein grundlegender Ausgangspunkt für jede fachgerechte Etikettierberatung im Bereich Kunststoffsubstrate.