Aushärtung (Curing) / Chemische Aushärtung

Aushärtung bezeichnet in der Klebtechnik einen chemischen Prozess, bei dem ein Klebstoff, ein Lack oder eine Tinte seine endgültigen Eigenschaften – also Endfestigkeit, Beständigkeit und Haftung – ausbildet. Im Gegensatz zum bloßen Abbinden finden dabei echte chemische Vorgänge statt: Aus den reaktiven Bausteinen des flüssigen Systems entstehen durch Vernetzung hochmolekulare Polymerstrukturen, die nach Abschluss des Prozesses in der Regel irreversibel verfestigt sind.

Technisch unterscheidet man mehrere Aushärteverfahren, die je nach Klebstoff- oder Beschichtungssystem zum Einsatz kommen. Bei der UV-Härtung löst Bestrahlung mit UV- oder LED-Licht die Vernetzungsreaktion aus – innerhalb von Sekunden entsteht eine beständige, abriebfeste Schicht. Thermisch härtende Systeme werden in Umluft- oder Durchlauföfen bei Temperaturen zwischen etwa 60 °C und 180 °C ausgehärtet, wobei die Aushärtezeiten je nach System zwischen rund 60 Sekunden und 60 Minuten liegen können. Feuchtigkeitshärtende Systeme wie Silikone oder Cyanacrylate reagieren mit der in der Umgebungsluft vorhandenen Feuchtigkeit und härten bei Raumtemperatur aus. Daneben existieren Dualhärtungssysteme, die eine schnelle Voraushärtung durch Licht mit einer nachgelagerten Feuchtigkeitsaushärtung kombinieren, um in automatisierten Prozessen rasch Handhabungsfestigkeit zu erreichen und gleichzeitig eine vollständige Durchhärtung sicherzustellen. Zweikomponentensysteme schließlich bestehen aus getrennten Harz- und Härterkomponenten, die erst unmittelbar vor der Verarbeitung gemischt werden, woraufhin die chemische Aushärtung beginnt.

Für den Etikettendruck ist die Aushärtung an mehreren entscheidenden Stellen relevant. Bei haftklebenden Etiketten (PSA) müssen reaktive Klebstoffschichten nach der Beschichtung vollständig aushärten, damit die erforderliche Dauerhaftigkeit sowie Temperatur- und Chemikalienbeständigkeit erreicht werden. Druckfarben und Lacke in UV-Flexo-, UV-Inkjet- oder UV-Offsetdruckmaschinen werden direkt in der Druckmaschine durch integrierte UV-Härtungseinheiten oder LED-UV-Module ausgehärtet – das ermöglicht lösungsmittelfreie, schnell weiterverarbeitbare Druckbilder. Schutzlacke und Laminierlacke erhalten erst durch die Aushärtung ihre finale Oberflächenbeständigkeit gegen Abrieb, Hitze und Chemikalien. Für Hochtemperatur-, Chemie- oder Laboretiketten, also Anwendungen unter extremen Bedingungen, werden gezielt spezielle reaktive Klebstoffe eingesetzt, deren Aushärtung auf die jeweiligen Umgebungseinflüsse abgestimmt ist.

Für Hersteller bedeutet das: Prozessparameter wie UV-Intensität, Temperatur, Zeit und Schichtdicke müssen präzise überwacht werden, denn eine unvollständige Aushärtung führt zu mangelnder Haftung, Blasenbildung oder reduzierter Lebensdauer. Für Etikettenanwender bestimmt die Qualität der Aushärtung unmittelbar, ob ein Etikett unter industriellen Bedingungen dauerhaft haftet, lesbar bleibt und die geforderte Medien- und Chemikalienresistenz erfüllt.