Braille (Blindenschrift)

Braille, auch als Blindenschrift bezeichnet, ist ein taktiles Schriftsystem, bei dem Buchstaben und andere Zeichen durch Kombinationen erhabener Punkte dargestellt werden. Diese Punkte werden nicht gelesen, sondern mit den Fingerspitzen ertastet. Im Etikettendruck bezeichnet der Begriff konkret eine aufgedruckte oder geprägte Punktstruktur auf Etiketten oder Verpackungen, die sehbehinderten und blinden Menschen den Zugang zu Produktinformationen ermöglicht.

Das System basiert auf einem 6-Punkt-Raster, wobei in bestimmten Anwendungsbereichen auch ein 8-Punkt-Raster eingesetzt wird. Die genauen technischen Maße – darunter Punktabstände und Punkthöhe – sind in der Norm E-DIN 32976 geregelt; weitere relevante Normen sind DIN 32980 sowie DIN EN ISO 17351:2014-10, letztere speziell für Brailleschrift auf Arzneimittelverpackungen. Für ertastbare Warnhinweise gilt ISO 11683. Im Bereich der Arzneimittelkennzeichnung schreiben zudem die EU-Richtlinien 2001/83/EG und 2004/27/EG eine Braille-Kennzeichnung vor, etwa für Produktnamen, Anweisungen oder das Ablaufdatum.

Für die Herstellung von Braillestrukturen im Etikettendruck werden vorwiegend drucktechnische Verfahren eingesetzt, die ein messbares Relief erzeugen. Das gebräuchlichste Verfahren ist der Rotationssiebdruck, bei dem ein spezieller Relieflack in mehreren oder stärkeren Schichten aufgebracht wird, bis die Punkte eine tastbare Höhe erreichen. Häufig wird dabei der Rotationssiebdruck mit dem Flexodruck kombiniert, um sowohl konventionellen Druck als auch die Braillestruktur in einem Durchlauf zu realisieren. Als Substrate werden unter anderem transparente und selbstklebende Etiketten verwendet. Daneben werden auch spezialisierte Brailledruckmaschinen eingesetzt. In weniger häufigen Fällen kommt Offsetdruck oder der Einsatz spezieller Beschriftungsgeräte vor.

Für den Etikettendruck bedeutet Braille einen erhöhten Anforderungsgrad an Materialaufbau, Druckverfahren und Qualitätssicherung. Hersteller müssen sicherstellen, dass die erhabenen Strukturen normgerecht und dauerhaft tastbar sind – was spezifische Lackformulierungen, geeignete Untergrundmaterialien und kontrollierte Druckparameter erfordert. Die Hauptanwendungsbereiche liegen in der Pharmaindustrie, der Lebensmittelindustrie, der Kosmetik sowie bei Haushaltshygieneprodukten. Brailleelemente können entweder direkt in die Verpackungsproduktion integriert oder als nachrüstbare, nachträglich aufzubringende Etiketten realisiert werden. Käufer von Brailledrucketiketten sollten daher frühzeitig klären, welche Normen für ihr Produkt gelten und welches Druckverfahren die geforderte Punktqualität zuverlässig erzeugen kann.