Coldset-Rollenoffset bezeichnet ein indirektes Rollenoffsetdruckverfahren, bei dem die Druckfarbe ausschließlich durch physikalisches Wegschlagen trocknet: Die flüssigen Bestandteile der Farbe werden vom Bedruckstoff aufgesaugt, während Pigmente und Bindemittel an der Oberfläche verbleiben. Eine aktive Trocknung durch Wärme, Heißluft oder Strahlung findet nicht statt. Das Verfahren ist damit die grundlegende, nicht thermisch unterstützte Variante des Rollenoffsets – im Gegensatz zum Heatset, bei dem eine Ofentrocknung eingesetzt wird.
Technisch arbeitet der Coldset-Rollenoffset als indirektes Flachdruckverfahren: Die Druckfarbe wird von der Druckplatte zunächst auf einen Gummituchzylinder und von diesem auf die laufende Materialbahn übertragen. Da keine Trocknereinheit in der Maschine verbaut ist, läuft die bedruckte Bahn unmittelbar zu Falz- oder Weiterverarbeitungseinheiten weiter. Die Trocknung erfolgt rein über Kapillarwirkung, weshalb zwingend saugfähige, ungestrichene Papiere eingesetzt werden müssen – typischerweise Zeitungs- und Recyclingpapiere. Gestrichene oder hochglänzende Substrate scheiden aus, da sie die notwendige Saugfähigkeit nicht aufweisen. Für den Prozessstandard im Coldset-Rollenoffset ist die ISO 12647-3 maßgeblich; der MedienStandard Druck (bvdm) legt den maximalen Gesamtfarbauftrag für dieses Verfahren auf ≤ 240 % fest.
Für den Etikettendruck ist Coldset-Rollenoffset ein Nischenverfahren mit klar definierten Grenzen. Die primären Anwendungsgebiete liegen im Zeitungs- und einfachen Beilagendruck, nicht im hochwertigen Etikettensegment. Wo das Verfahren dennoch für Etiketten oder einfache industrielle Kennzeichnungen infrage kommt, gelten folgende Bedingungen: Das Substrat muss saugfähiges, ungestrichenes Papier sein; Hochglanzoberflächen, wie sie für viele Produktetiketten gefordert werden, sind mit Coldset nicht realisierbar. Da die Farbe nicht vollständig aushärtet, bleibt der Druck mechanisch empfindlicher gegenüber Reiben, Kratzen und Verschmutzung – ein relevanter Nachteil für Etiketten, die Handling, Transport oder feuchte Umgebungen überstehen müssen. Auf der anderen Seite bietet das Verfahren wirtschaftliche Vorteile bei sehr hohen Auflagen: Es fallen keine Energiekosten für Trocknung an, und Rollenoffsetmaschinen erreichen hohe Produktionsgeschwindigkeiten. Ein weiterer sachlicher Vorteil ist die Recyclingfreundlichkeit der Coldset-Farben, die sich im Altpapierprozess gut entfernen lassen. Etikettenkäufer, die Coldset-Produkte beziehen, müssen mit matter, papierartiger Oberfläche und eingeschränkter Scheuerbeständigkeit rechnen – Eigenschaften, die für einfache, kurzlebige Kennzeichnungen auf Papier tolerierbar sind, für anspruchsvolle Produktetiketten jedoch in der Regel nicht ausreichen.