Ein Corner-Wrap-Applikator ist ein automatischer oder halbautomatischer Etikettenapplikator, der ein Etikett über eine rechtwinklige Kante einer Verpackung führt, sodass es auf zwei benachbarten Seiten haftet. Das Gerät übernimmt das Etikett von einem Druck- oder Spendesystem und appliziert es präzise über die Ecke eines Kartons, einer Schachtel oder Box. Es gehört zur Kategorie der automatischen Etikettendruck- und -spendesysteme, die Druck, Etikettenübergabe und Applikation in einem integrierten Prozess kombinieren.
Technisch unterscheidet man passive und aktive Varianten. Bei der passiven Ausführung bleibt der Applikator stationär, während sich das Produkt auf einem Förderband bewegt und das Etikett dabei um die Ecke wickelt. Aktive Systeme führen das Etikett selbst aktiv um die Kante des stehenden oder bewegten Produkts. Als Applikationsprinzipien kommen einerseits der Tamp- beziehungsweise Linearhub-Mechanismus zum Einsatz, der Taktleistungen von bis zu 120 Etikettierungen pro Minute erreichen kann, andererseits Rollen- oder Rolling-Presse-Applikationen, bei denen Rollen das Etikett beim Überfahren andrücken. Viele Systeme sind als Print-&-Apply-Lösungen ausgeführt, bei denen das Etikett unmittelbar vor der Applikation in Echtzeit mit variablen Daten und Barcodes bedruckt wird. Die Geräte werden als Module in Förder- und Verpackungslinien integriert und ermöglichen so eine kontinuierliche, inline Kennzeichnung.
Für den Etikettendruck hat der Corner-Wrap-Applikator konkrete Konsequenzen bei der Auswahl und Herstellung von Etiketten. Das Material muss ausreichend flexibel sein, um das Umlegen über eine Kante ohne Rissbildung oder Ablösung zu erlauben, und gleichzeitig eine stabile Haftkraft auf zwei verschiedenen Flächen gewährleisten. Die Dimensionierung des Etiketts muss so ausgelegt sein, dass alle relevanten Informationen – insbesondere Barcodes für logistische Scananwendungen – auf beiden Seiten vollständig lesbar bleiben und das Etikett die Ecke sicher umschließt. Da Corner-Wrap-Applikatoren vor allem in Logistik- und Lageranwendungen eingesetzt werden, wo Kartons aus verschiedenen Richtungen gescannt werden müssen, ist hohe Druckqualität unerlässlich für zuverlässige Scans in automatisierten Förder- und Sortieranlagen. Hinzu kommt, dass Etikettenmaterial und -aufmachung für hohe Taktraten ausgelegt sein müssen, damit der Etikettiervorgang bei bis zu 120 Etikettierungen pro Minute störungsfrei verläuft. Der Einsatz selbstklebender Etiketten mit Trägermaterial ist bei diesem Applikationstyp branchenüblich, da sie die nötige Kombination aus Flexibilität, Repositionierbarkeit während der Applikation und dauerhafter Haftung bieten.