Curling bezeichnet im Etikettendruck das unerwünschte Einrollen oder Wölben von Etikettenmaterial infolge einseitiger Feuchteaufnahme oder -abgabe der verschiedenen Materialschichten. Das Papier oder der Verbundaufbau eines selbstklebenden Etiketts krümmt sich dabei entweder zur bedruckten oder zur unbedruckten Seite hin. Es handelt sich um einen klimabedingten Verformungseffekt, der direkte Auswirkungen auf die Weiterverarbeitbarkeit hat und in der Qualitätssicherung als klar definierbarer Mangel gilt.
Die Ursache liegt im unterschiedlichen Feuchteverhalten der einzelnen Materialschichten. Papierfasern quellen bei Feuchtigkeitsaufnahme und schrumpfen bei Feuchtigkeitsverlust. Nimmt die Ober- oder Siebseite des Etikettenpapiers mehr Feuchtigkeit auf oder gibt mehr ab als die gegenüberliegende Seite, entstehen Spannungen, die das Material in eine Richtung krümmen. Bei zu trockener Umgebungsluft gibt die unbedruckte Seite schneller Feuchtigkeit ab als die bedruckte, das Etikett rollt sich zur unbedruckten Seite hin ein. Bei hoher Luftfeuchte kehrt sich der Effekt um: Die unbedruckte Seite nimmt schneller Feuchtigkeit auf, die Fasern dehnen sich und das Etikett wölbt sich zur bedruckten Seite oder liegt nahezu plan. Praxisstudien belegen diesen Zusammenhang deutlich: Bei 25 % relativer Luftfeuchte und 23 °C tritt starkes Curling auf, bei 75 % relativer Luftfeuchte liegen dieselben Etiketten nahezu flach.
Für den Etikettendruck und die Etikettenverarbeitung hat Curling konkrete und teils schwerwiegende Folgen. In automatisierten Verpackungs- und Etikettierprozessen führen stark eingerollte Etiketten zu Zuführ- und Spendestörungen, die den gesamten Verpackungsprozess unterbrechen können. Entsprechende Reklamationen aus Verpackungsbetrieben sind in der Praxis dokumentiert. Besonders betroffen sind selbstklebende Etiketten auf Papierbasis, bei denen Trägermaterial, Klebstoffschicht und Deckmaterial unterschiedlich auf Klimaschwankungen reagieren. Auch beim Laminieren können falsch eingestellte Folientensionen zu Wellenbildung führen – plane Etiketten nach dem Laminieren gelten als Indikator für eine korrekte Spannungsregelung.
Um Curling zu verhindern oder auf ein tolerierbares Maß zu begrenzen, empfehlen Fachkreise klare klimatische Richtwerte: Etiketten sollten bei mindestens 40 % relativer Luftfeuchte verarbeitet werden. In Druckereien und Verarbeitungsbetrieben gelten Werte von 50 bis 60 % relativer Luftfeuchte als praxisüblicher Zielbereich. Für die Wintermonate, in denen die Raumluft durch Heizung austrocknet, wird der Einsatz von Raumbefeuchtungsanlagen empfohlen. Hersteller sind zudem gefordert, das Curling-Verhalten ihrer Etikettenmaterialien durch Klimaprüfungen systematisch zu bewerten und Verarbeitern entsprechende Lager- und Klimahinweise mitzugeben. Curling ist damit nicht nur ein Materialphänomen, sondern ein zentrales Thema der Prozesssicherheit und Qualitätssicherung im gesamten Etikettendruck.