D50-Normlicht bezeichnet eine standardisierte Lichtart mit einer korrelierten Farbtemperatur von 5.000 Kelvin, die in der CIE-Normfarbtafel die Koordinaten x = 0,3457 und y = 0,3585 besitzt. Es repräsentiert ein neutrales, leicht warmes Tageslicht und gilt als verbindlicher Standard für die Farbbeurteilung von Drucken in der grafischen Industrie. Die normative Grundlage bildet ISO 3664:2009 „Betrachtungsbedingungen für die graphische Technologie“.
ISO 3664:2009 definiert präzise, welche Anforderungen ein D50-Normlichtgerät erfüllen muss: Die spektrale Energieverteilung wird im Bereich von 300 bis 780 Nanometer in 5-nm-Schritten festgelegt, der Farbort darf um maximal 0,005 abweichen, der Farbwiedergabewert Ra muss über 90 liegen, und die Metamerie-Indizes MIvis < 1,0 sowie MIuv < 1,5 begrenzen die Abweichung von der spektralen Simulation. Mit der Revision von 2009 wurde der UV-Anteil des D50-Normlicht gegenüber dem vorherigen Standard angehoben. Das hat praktische Konsequenzen: Ältere D50-Leuchten, die vor dieser Revision beschafft wurden, können bei der Farbabmusterung zu anderen Ergebnissen führen als neue, normkonforme Geräte. D50-Normlichtgeräte werden typischerweise am Maschinenbedienstand, in der Qualitätssicherung und in der Druckvorstufe zur Proof-Abnahme eingesetzt. Die kontrollierten D50-Betrachtungsbedingungen sind zudem eine unerlässliche Voraussetzung für die praktische Umsetzung von ISO 12647-2:2013, dem Prozessstandard für den Offsetdruck.
Für den Etikettendruck ist D50-Normlicht aus mehreren Gründen direkt relevant. Etikettendruckereien unterliegen denselben farbmetrischen Anforderungen wie die übrige grafische Industrie, weshalb die konsistente Farbkontrolle unter D50-Normlicht die Basis für reproduzierbare Ergebnisse über verschiedene Auflagen und Produktionsstandorte hinweg bildet. Besondere Aufmerksamkeit erfordert der Einsatz von Etikettenpapieren mit optischen Aufhellern: Diese reagieren auf den UV-Anteil des Lichts und erscheinen unter verschiedenen D50-Leuchten, die formal beide dem Norm-Label entsprechen, aber unterschiedliche UV-Anteile liefern, in sichtbar unterschiedlichen Helligkeits- und Farbeindrücken. Hersteller müssen daher sicherstellen, dass ihre Normlichtgeräte dem aktuellen Stand von ISO 3664:2009 entsprechen und gegebenenfalls ältere Leuchtmittel ersetzen. Für Auftraggeber von Etiketten – etwa Markeninhaber und Einkäufer – schafft D50-Normlicht die Grundlage für eine objektive Farbkommunikation: Proofs, die unter D50-Bedingungen erstellt und abgenommen werden, dienen als farbverbindliche Referenz, und Abweichungen im Auflagendruck lassen sich nachvollziehbar messen. Das gilt ebenso für die Abstimmung von Sonder- und Markenfarben, die über verschiedene Lieferanten hinweg konsistent reproduziert werden müssen. Ohne normgerechtes D50-Licht ist eine verlässliche, durchgängige Farbkontrolle entlang der gesamten Prozesskette vom Entwurf über den Proof bis zum fertigen Etikett nicht möglich.