Deinking (Druckfarbenentfernung)

Deinking – auf Deutsch Druckfarbenentfernung – bezeichnet den technischen Prozess, mit dem Druckfarben von bedruckten Substraten so abgelöst werden, dass das Trägermaterial anschließend hochwertig recycelt werden kann. Der Begriff stammt ursprünglich aus dem Papierrecycling, wird aber heute auch auf Kunststoffverpackungen und -etiketten angewendet.

Im klassischen Papierrecycling läuft Deinking in mehreren Stufen ab: Zunächst wird Altpapier sortiert und in Wasser zu einem Faserbrei aufgelöst. Chemikalien wie Natronlauge, Natriumsilikat und Tenside lösen die Druckfarbe von den Fasern, indem sie den pH-Wert erhöhen und hydrophobe Farbpartikel von der Faseroberfläche ablösen. Im anschließenden Flotationsschritt – dem in Europa wichtigsten Prozessschritt – tragen Luftblasen die Farbpartikel als Schaum an die Oberfläche, wo sie abgeschöpft werden. Optional folgen Heißdispergierung, Feinsortierung, Waschen und Bleichen mit Wasserstoffperoxid oder Sauerstoff, um einen hohen Weißgrad zu erzielen. Für Kunststoffe, etwa Polyethylen-Folien, wurde im EU-Forschungsprojekt PLASTDEINK eine wasserbasierte Technologie entwickelt, die die Haftkraft der Druckfarbe auf dem Kunststoff bricht, ohne das Material selbst zu beschädigen.

Für den Etikettendruck ist Deinking aus mehreren Gründen direkt relevant. Selbstklebeetiketten auf Kunststoffverpackungen stellen im Recyclingprozess eine besondere Herausforderung dar, weil ihre Druckfarben die Rezyklatqualität beeinträchtigen. Deinking-fähige Etikettenlösungen ermöglichen es, die Druckfarbe während des Recyclings zu entfernen, ohne die Verpackung vorher von Etiketten zu befreien. Siegwerk bietet hierfür beispielsweise ein UV-Flexo-Deinking-System als Primer-Technologie an, das speziell für UV-bedruckte Selbstklebeetiketten auf Kunststoffverpackungen entwickelt wurde. Solche Systeme liefern nachweislich sauberere Rezyklate, die erneut im Verpackungsbereich eingesetzt werden können. Das PLASTDEINK-Projekt berichtet zudem, dass deinkingbasiertes Recycling bis zu 45 Prozent kostengünstiger sein kann als der Einsatz von Neuware-Kunststoff.

Bei papierenen Etiketten gilt: gut deinkbare Farbsysteme, insbesondere hydrophobe Offsetfarben, unterstützen das Papierrecycling positiv, während bestimmte digitale, wasserlösliche Tinten und Toner das Ergebnis verschlechtern können, weil sie im Wasser verbleiben und an Fasern haften. Für die Bewertung der Deinkbarkeit bedruckter Papiere hat die INGEDE mit der INGEDE Method 11 eine anerkannte Labormethode etabliert. Markeninhaber und Verpackungshersteller, die Deinking-fähige Etiketten einsetzen, verbessern damit die Recyclingfähigkeit ihrer Produkte und unterstützen Kreislaufwirtschaftsziele im Rahmen europäischer Verpackungs- und Recyclinganforderungen.