Delta E 76 (auch ΔE*ab, CIE76 oder CIE 1976) ist eine mathematische Kenngröße, die den Farbunterschied zwischen zwei Farben im CIELAB-Farbraum numerisch beschreibt. Berechnet wird der Wert als euklidischer Abstand der beiden Farborte anhand der Formel ΔE₇₆ = √((ΔL*)² + (Δa*)² + (Δb*)²), wobei ΔL*, Δa* und Δb* die Differenzen der jeweiligen Lab-Koordinaten zwischen Soll- und Istwert darstellen. Ein Wert von 0 bedeutet keinen Farbunterschied; je größer der Wert, desto stärker weichen die beiden Farben voneinander ab.
Die CIE76-Formel wurde 1976 von der Commission Internationale de l’Éclairage eingeführt und ist die ursprüngliche Basisformel zur Farbdifferenzberechnung im Lab-Farbraum. In der Praxis wird sie mit einem Spektralfotometer angewendet: Zunächst wird die Referenzfarbe gemessen, anschließend die Farbe des zu prüfenden Objekts unter definierten Bedingungen. Aus den ermittelten Lab-Werten berechnet die Software automatisch den ΔE76-Wert. Zu beachten ist, dass CIE76 von gleichabständigen Wahrnehmungen für gleiche numerische Abstände ausgeht – in der Praxis werden jedoch gleiche ΔE76-Werte in verschiedenen Farbbereichen nicht immer gleich stark wahrgenommen. Aus diesem Grund wurden später verfeinerte Formeln wie CIE94 und CIEDE2000 entwickelt, wobei ΔE76 als dokumentierte Vergleichsgröße weiterhin verbreitet genutzt wird.
Im Etikettendruck ist Delta E 76 ein zentrales Werkzeug der Farbkontrolle und Qualitätssicherung. Ob auf Papier-, Karton- oder Foliensubstraten: Der Farbabstand zwischen einer Referenzfarbe – etwa einer Marken-CI-Farbe aus einem Musterbeleg oder Farbstandard – und der tatsächlich gedruckten Farbe wird über den ΔE76-Wert objektiv und nachvollziehbar gemessen. Fachlich anerkannte Toleranzbereiche helfen dabei, Akzeptanzgrenzen zu definieren: Werte zwischen 0 und 1 sind praktisch nicht wahrnehmbar, Werte zwischen 2 und 3 gelten bei geübten Betrachtern als gerade noch akzeptabel, Werte über 5 als deutlich sichtbar und in der Regel nicht tolerierbar. Die Norm ISO 12647-7 legt für Proofs konkrete Grenzwerte fest, etwa ein durchschnittliches Delta E von maximal 3 über alle Farbfelder. Diese Grenzwerte gelten als Grundlage für die normgerechte Freigabe von Proofs und Etikettendrucken. Für Etikettenhersteller bedeutet das: Farbschwankungen im laufenden Produktionsprozess lassen sich frühzeitig erkennen, Chargenvergleiche werden objektiv durchführbar, und die Einhaltung von Kundenvorgaben ist messbar dokumentierbar. Käufer von Etiketten können auf vertraglich vereinbarte ΔE-Grenzwerte bestehen und erhalten damit ein belastbares Qualitätskriterium jenseits subjektiver Sichtprüfung. In modernen Drucksystemen und RIP-Servern werden ΔE76 und ΔE00 häufig parallel ausgewiesen, was eine transparente Vergleichsbasis für beide Parteien schafft.