DPM-Codes (Direct Part Marking Codes) sind zweidimensionale Barcodes – überwiegend DataMatrix, seltener QR-Codes –, die ohne Etikett oder Trägermaterial direkt in oder auf eine Bauteiloberfläche eingebracht werden. Ziel ist eine dauerhafte, maschinenlesbare Identifikation, die über die gesamte Lebensdauer des Teils erhalten bleibt. Die codierten Informationen umfassen typischerweise Seriennummern, Teilenummern, Chargen- und Produktionsdaten.
Für die Aufbringung stehen mehrere Verfahren zur Verfügung, die je nach Material und Anforderung gewählt werden: Lasermarkierung ermöglicht präzise, sehr kleine Codes durch Materialabtrag oder Oberflächenveränderung; Nadelprägen (Dot-Peening) erzeugt Codes mittels Hartmetallnadel durch pneumatischen oder elektromagnetischen Schlag und eignet sich besonders für Metall; Ritzmarkierung bietet eine geräuscharme, optisch ansprechende Codierung auf Metall und Aluminium; darüber hinaus kommen Inkjet-Druck und elektrochemisches Ätzen zum Einsatz. Geeignete Trägermaterialien sind Metall, Aluminium, Kunststoff, Keramik, Glas und Gummi – Papier ist ausdrücklich ungeeignet. Das Auslesen erfordert spezialisierte 2D-Scanner mit DPM-Funktion, da Standardgeräte bei geprägten, gelaserten oder überlackierten Oberflächen häufig versagen. Die Codequalität wird nach ISO/IEC TR 29158 beurteilt, einer Norm, die auf der AIM DPM Guideline 2006 basiert und explizit die Besonderheiten direkt markierter Teile berücksichtigt – im Unterschied zu ISO/IEC 15415, die für gedruckte 2D-Codes auf Etiketten gilt.
Für den Etikettendruck ist DPM aus zwei Richtungen relevant. Erstens markiert das Verfahren die funktionale Grenze klassischer Klebeetiketten: Wo Etiketten durch Abrieb, extreme Temperaturen, korrosive Umgebungen oder lange Lebenszyklen an ihre Grenzen stoßen, ersetzt DPM die Etikett-Lösung vollständig. Branchen wie Automobil, Elektronikfertigung, Maschinenbau und Luft- und Raumfahrt setzen DPM daher gezielt dort ein, wo eine lebenslange, manipulationssichere Rückverfolgbarkeit zwingend gefordert ist. Zweitens beeinflusst DPM Kaufentscheidungen im Kennzeichnungsumfeld direkt: Unternehmen, die früher permanente Etiketten verwendet haben, prüfen zunehmend DPM als Alternative oder Ergänzung. Das bedeutet für Etikettenkäufer, dass sie neben der Materialauswahl auch Investitionen in DPM-fähige Markiermaschinen und geeignete Lesegeräte einkalkulieren sowie die Qualitätssicherung nach ISO/IEC TR 29158 sicherstellen müssen. DPM konkurriert damit nicht pauschal mit Etiketten, sondern definiert klarer als bisher, welche Kennzeichnungsaufgaben dauerhaft nur ohne Etikett lösbar sind.