Eco-Design bzw. Ökodesign bezeichnet die systematische Integration von Umweltaspekten in die Produktgestaltung über den gesamten Lebenszyklus eines Produkts – von der Herstellung über die Nutzung bis zur Entsorgung und Verwertung. Die rechtliche Grundlage bildet die Verordnung (EU) 2024/1781, die sogenannte Ecodesign for Sustainable Products Regulation (ESPR), welche die frühere Ökodesign-Richtlinie 2009/125/EG erheblich erweitert und nun nahezu alle physischen Waren erfasst. Ziel ist es, nachhaltige Produkte zur Norm zu machen und ineffiziente Produkte schrittweise vom EU-Binnenmarkt auszuschließen.
Die Verordnung definiert konkrete Produktmerkmale, die bei der umweltgerechten Gestaltung zu berücksichtigen sind: Recyclingfähigkeit, Rezyklatanteil, Ressourcen- und Energieeffizienz, Reparierbarkeit sowie CO₂- und Umweltfußabdruck. Für die messtechnische Umsetzung sind harmonisierte Normen vorgesehen, deren Einhaltung eine Konformitätsvermutung begründet. Als relevante horizontale Norm gilt dabei die IEC 62430, die beschreibt, wie Umweltaspekte methodisch in Entwicklungsprozesse integriert werden. Zur Transparenz verpflichtet die Verordnung Hersteller außerdem zur Bereitstellung von Produktdaten über einen digitalen Produktpass. Lebenszyklusanalysen (LCA) sind das zentrale Verfahren, um CO₂- und Umweltfußabdrücke quantifizierbar zu machen.
Für den Etikettendruck ergeben sich daraus zwei klar unterscheidbare Relevanzebenen. Erstens können Etiketten als physische Waren oder Produktkomponenten selbst unter die Ökodesign-Verordnung fallen, sobald entsprechende produktgruppenspezifische Verordnungen erlassen werden. Hersteller wie Avery Dennison wenden bereits heute eine ganzheitliche EcoDesign-Methodik auf ihre Etikettenprodukte an, die Materialeinsatz, Herstellprozesse sowie Nutzung und Entsorgung der Etiketten einbezieht. Konkret bedeutet das: dünnere Trägermaterialien, erhöhte Rezyklatanteile bei Substraten wie Folien und Papieren sowie die Prüfung von Klebstoffen und Beschichtungen hinsichtlich umweltrelevanter Stoffbeschränkungen. Zweitens sind Etiketten als Informationsträger in Ökodesign-Produktkonzepte eingebunden, da die Verordnung Hersteller verpflichtet, Daten zu Umwelteigenschaften ihrer Produkte bereitzustellen – unter anderem über Energieeffizienz und Lebenszyklus. Etiketten und Kennzeichnungslösungen müssen technisch und gestalterisch so ausgelegt sein, dass sie diese Informationspflichten erfüllen können.
Für Hersteller und Käufer von Etiketten ist entscheidend: Eine spezifische Ökodesign-Einzelverordnung für Etiketten existiert bislang nicht. Die horizontalen Anforderungen der ESPR zu Materialeffizienz, Recyclingfähigkeit und Informationsbereitstellung wirken jedoch bereits heute auf die Produktentwicklung ein. Wer Etiketten in Verkehr bringt oder beschafft, sollte die Entwicklung produktgruppenspezifischer Verordnungen im Blick behalten und bei der Materialauswahl Rezyklatanteile sowie Recyclingfähigkeit der Substrate systematisch berücksichtigen.