Als Freigabemuster wird im Etikettendruck das Muster bezeichnet, das ein Etikettenhersteller vor dem eigentlichen Produktionsstart zur Kundenfreigabe vorlegt. Es handelt sich dabei um ein Produktionsmuster, einen Andruck oder Proof, der das spätere Serienetikett in Material, Klebstoff, Format und Druckbild verbindlich abbildet. Obwohl der Begriff selbst in keiner Norm des Etiketttendrucks formal definiert ist, hat er sich in der Praxis als durchgängig verwendete Bezeichnung für diesen Freigabeschritt etabliert.
Im Ablauf der Druckvorstufe wird das Freigabemuster nach der Aufbereitung der Druckdaten erstellt. Dabei werden dieselben Materialien, Klebstoffe und Druckverfahren eingesetzt wie für die spätere Serienproduktion, sodass das Muster direkt vergleichbar ist. Je nach Anforderung kommen Etikettenhersteller dem Kunden mit kostenfreien Produktionsmustern aus bereits laufenden Aufträgen entgegen oder fertigen auf Wunsch individuelle Muster auf dem exakt gewünschten Substrat an. In der Druckvorstufe relevante technische Details wie Anschnitt, Passergenauigkeit und Farbprofil werden dabei geprüft, bevor die eigentliche Auflage gestartet wird.
Für den Etikettendruck ist das Freigabemuster aus mehreren Gründen von konkreter Bedeutung. Erstens erlaubt es die Beurteilung des Druckbildes: Farben, Schriften, Layout und Schärfe lassen sich anhand des realen Druckergebnisses beurteilen, was Abweichungen vom gewünschten Corporate Design frühzeitig sichtbar macht. Zweitens ermöglicht es die Prüfung von Material und Klebstoff auf der tatsächlichen Anwendung. Papier- und Folienetiketten aus PE, PP oder PET verhalten sich auf unterschiedlichen Untergründen verschieden; permanente, ablösbare oder tiefkühlbeständige Klebstoffe müssen unter realen Bedingungen getestet werden, bevor eine Großproduktion freigegeben wird. Drittens spielt die rechtliche Vollständigkeit der abgedruckten Inhalte eine tragende Rolle. Etiketten für Lebensmittel müssen nach der EU-Lebensmittelinformationsverordnung Pflichtangaben wie Zutatenverzeichnis, Allergenkennzeichnung und Nährwerttabelle enthalten; für Arzneimittel gelten die Vorgaben des Arzneimittelgesetzes. Das Freigabemuster ist damit auch der Kontrollpunkt, an dem geprüft wird, ob alle gesetzlich geforderten Angaben korrekt und vollständig vorhanden sind. Fehldrucke oder Materialfehler, die erst nach dem Start der Serienproduktion auffallen, verursachen erheblichen Aufwand; das Freigabemuster reduziert dieses Risiko, weil Korrekturen noch vor dem Hauptlauf vorgenommen werden können.