Halbschnittstanzen (Kiss Cutting) bezeichnet im Etikettendruck ein Stanzverfahren, bei dem die oberste Schicht eines mehrlagigen selbstklebenden Materials – also Deckmaterial und Klebstoff – vollständig durchtrennt wird, der darunter liegende Trägerliner (Liner) jedoch intakt bleibt. Das gestanzte Etikett oder Formteil bleibt dadurch auf dem Liner fixiert und lässt sich bei Bedarf sauber und rückstandsfrei abziehen. Der Begriff „Kiss Cut“ beschreibt dabei bildlich, dass die Schneidkante den Liner nur „berührt“, ohne ihn zu durchtrennen.
Technisch wird dies erreicht, indem die Schnitttiefe der Stanzform exakt auf die Materialstärke von Deckmaterial und Klebstoff eingestellt wird. Der Liner dient dabei als definierter Anschlag. Bei mechanischen Stanzverfahren erfolgt diese Kontrolle über die präzise Einstellung der Schneidwerkzeuge, wobei Hersteller Schnittpräzisionen von beispielsweise ±0,2 mm angeben. Alternativ kommt Laser-Kiss-Cutting zum Einsatz, bei dem ein kontrollierter Laserstrahl – etwa ein CO₂-Laser – die Oberflächenschicht einritzt, ohne den Liner zu durchdringen. Verarbeitet werden dabei typischerweise mehrlagige Laminatmaterialien aus Papier, Kunststofffolien wie PET, Klebstoff und Trägerpapier. Das Gegenverfahren, der Durchschnitt (Through-Cut oder Die Cut), trennt alle Schichten einschließlich des Liners vollständig voneinander – was bei Rollenware und automatisierten Prozessen in der Regel nicht erwünscht ist.
Für den Etikettendruck ist das Halbschnittstanzen aus mehreren Gründen zentral. Erstens ermöglicht es die produktionseffiziente Bereitstellung von Etiketten auf Rolle oder Bogen: Viele einzelne Etiketten werden auf einem durchgehenden Liner vorgehalten, was sowohl die Lagerung als auch den Transport vereinfacht und die Etiketten bis zur Applikation schützt. Zweitens erlaubt ein intakter Liner die Weiterverarbeitung in automatisierten Spendesystemen, bei denen Etiketten maschinell appliziert werden – eine Voraussetzung für industrielle Hochgeschwindigkeitslinien. Drittens profitieren auch manuelle Anwender: Der Liner lässt sich wölben, was das Abziehen selbst kleiner Klebepunkte oder Etiketten von Hand erleichtert. Eingesetzt wird Kiss-Cut darüber hinaus für technische Kennzeichnungen, Tastaturfolien, Abdeckmasken und Formteile aus Klebebändern und Folien, die geordnet und maßhaltig bereitgestellt werden müssen. Für Hersteller ist die präzise Steuerung der Schnitttiefe dabei ein kritischer Prozessparameter: Wird der Liner versehentlich angeschnitten oder durchtrennt, entstehen Produktionsfehler, die Ausschuss und Nacharbeit verursachen. Käufer von Etiketten sollten beim Halbschnitt auf die angegebene Schnittpräzision und die Eignung des Verfahrens für ihre spezifischen Materialien und Applikationsanforderungen achten.