IMDS

IMDS steht für „International Material Data System“ und bezeichnet ein webbasiertes, globales Online-System zur Erfassung, Verwaltung und Weitergabe detaillierter Materialdaten in der Automobilindustrie. Es wurde von führenden Automobilherstellern als Industriestandard eingeführt, um die vollständige Materialzusammensetzung aller im Fahrzeug verbauten Teile zu dokumentieren. IMDS ist kein Gesetz, dient jedoch der Erfüllung konkreter Rechtsanforderungen, insbesondere der EU-Altfahrzeugrichtlinie (2000/53/EG) sowie der REACH-Verordnung.

Das System funktioniert über eine zentrale Online-Plattform, auf der Zulieferer sogenannte Materialdatensätze (MDS) anlegen und an ihre Kunden – also OEMs oder Tier-1-Lieferanten – zur Freigabe einreichen. Dabei werden Materialien bis auf Stoffebene abgebildet, inklusive Massenanteilen und Klassifizierung meldepflichtiger Substanzen. Als Meldegrenze gilt in der Regel ein Gehalt von 0,1 Gew.-%, was direkt aus den IMDS-Regelwerken hervorgeht. Das System unterscheidet zwischen homogenen Werkstoffen, die sich mechanisch nicht weiter trennen lassen, und Halbzeugen wie Klebebändern oder Folienprodukten, zu denen die meisten Etikettenmaterialien zählen. Klebebänder und Folien werden im IMDS entsprechend als Halbzeuge mit mehreren Schichten eingegeben.

Für den Etikettendruck ist IMDS konkret dann relevant, wenn Etiketten in der Automobilindustrie eingesetzt werden. In diesem Fall gelten Etiketten als eigenständige Komponenten, die vollständig im IMDS erfasst und gelistet sein müssen. Das bedeutet in der Praxis, dass Etikettenhersteller für jedes Produkt einen IMDS-Eintrag erstellen müssen, der alle Materialschichten abbildet – typischerweise den Folien- oder Papierträger, die Klebstoffschicht sowie gegebenenfalls Druckfarbe oder Überdrucklack, sofern meldepflichtige Substanzen oberhalb der Schwellenwerte enthalten sind. Ohne einen solchen Eintrag können Etiketten in der automobilen Lieferkette nicht eingesetzt werden, da OEMs von ihren Lieferanten standardmäßig IMDS-konforme Materialdaten fordern. Die im IMDS hinterlegten Etikettendaten fließen zudem in die Berechnung der gesetzlich vorgeschriebenen Recycling- und Verwertungsquoten des Gesamtfahrzeugs ein, die laut EU-Altfahrzeugrichtlinie bei 95 % liegen. Für Etikettenlieferanten bedeutet dies eine dauerhafte Dokumentationspflicht: Bei Änderungen der Materialrezeptur oder bei Aktualisierungen gesetzlicher Anforderungen müssen die IMDS-Einträge entsprechend gepflegt werden. Käufer von Etiketten auf OEM- oder Tier-1-Ebene können ausschließlich Produkte verwenden, für die diese Nachweise vollständig vorliegen.