ISCC PLUS ist ein freiwilliges Zertifizierungssystem der International Sustainability and Carbon Certification, das den nachhaltigen und vollständig rückverfolgbaren Einsatz biobasierter, nachwachsender und zirkulärer Rohstoffe in Lieferketten dokumentiert und nachweist. Es stellt eine Erweiterung des ISCC-Basisstandards dar und kann auch auf Produkte angewendet werden, die aus Abfällen, Reststoffen oder recycelbaren Materialien hergestellt werden.
Das System arbeitet mit klar definierten Lieferkettennachweisen. Der zentrale Mechanismus ist die Massenbilanzierung, auch Mass Balance genannt: Dabei werden die nachhaltigen Eigenschaften eines Rohstoffs bilanziell einer bestimmten Menge des Endprodukts zugeordnet, ohne dass eine physische Trennung der Materialströme zwingend erforderlich ist. Ergänzend kann auch physische Trennung als Nachweismethode eingesetzt werden. Die Zertifizierung verlangt eine lückenlose Lieferdokumentation, eine eindeutige Kennzeichnung aller Lieferungen inklusive Zertifikatsnummer sowie eine mengenmäßige Erfassung durch Wiegen oder Messen. ISCC PLUS ist ein freiwilliger Standard, steht jedoch in engem Zusammenhang mit regulatorischen Rahmenbedingungen wie der EU-Erneuerbare-Energien-Richtlinie RED II und berücksichtigt ökologische, soziale, wirtschaftliche und regulatorische Aspekte.
Für den Etikettendruck ist ISCC PLUS nicht als drucktechnischer Standard definiert, hat jedoch eine wachsende Bedeutung als Nachhaltigkeitsnachweis entlang der Materialkette. Etiketten und ihre Komponenten können aus Verpackungs- oder Kunststoffmaterialien bestehen, die im Rahmen von ISCC PLUS zertifiziert sind. Da der Standard für Verpackungen, Kunststoffe, Chemikalien und industrielle Anwendungen gilt, ist er für Hersteller von Etikettenmaterialien sowie für Betriebe, die solche Materialien verarbeiten, unmittelbar relevant. Ein Etikettendruckbetrieb, der zertifizierte Materialien einsetzt, muss selbst Teil der zertifizierten Lieferkette sein und entsprechende Dokumentationspflichten erfüllen, um die bilanziell nachvollziehbare Rohstoffzuordnung aufrechtzuerhalten. Für Einkäufer von Etiketten bedeutet eine ISCC-PLUS-Zertifizierung des Lieferanten, dass die verwendeten Rohstoffe mit dokumentierter Nachhaltigkeits- und Herkunftsaussage bezogen wurden und diese Aussagen durch ein unabhängiges Zertifizierungssystem gedeckt sind. Das stärkt die Glaubwürdigkeit entsprechender Nachhaltigkeitskommunikation gegenüber Kunden und Handelspartnern. Für Fachleute ist dabei entscheidend, dass die Massenbilanzierung keine physische Produkttrennung garantiert, sondern eine rechnerische Zuweisung nachhaltiger Rohstoffanteile darstellt – ein Unterschied, der bei der Bewertung von Nachhaltigkeitsaussagen auf Produktebene berücksichtigt werden muss.