Kammerrakelsystem

Ein Kammerrakelsystem ist ein geschlossenes Farb- und Lackdosiersystem im Flexodruck, das Druckfarbe, Lack oder andere Beschichtungsmedien unter Druck an eine Rasterwalze abgibt. Im Zentrum steht eine Farb- bzw. Lackkammer, in die das niedrigviskose Medium automatisch nachgepumpt wird und die nach außen durch zwei Rakelmesser sowie spezielle Dichtungen abgedichtet ist. Das System ermöglicht eine präzise, kontinuierliche Dosierung des Druckmediums im laufenden Produktionsprozess.

Die Kammer arbeitet mit zwei funktional unterschiedlichen Rakelmessern zusammen: Das Arbeitsrakel, auch Negativrakel genannt, ist entgegen der Drehrichtung der Rasterwalze ausgerichtet und rakelt überschüssige Farbe oder Lack von der Walzenoberfläche ab, wodurch der Farbfilm zur Druckform exakt reguliert wird. Das Schließrakel hingegen ist mit der Drehrichtung ausgerichtet und dichtet die Kammer ab. Die Rasterwalze, auch Aniloxwalze genannt, nimmt das Medium aus der Kammer in ihre feinen Näpfchen auf und überträgt es dosiert auf die Druckform. Seitendichtungen, auch als Kammerrakeldichtungen oder Profilbacken bezeichnet, stehen in direktem Kontakt mit der rotierenden Rasterwalze und verhindern, dass Medium seitlich aus der Kammer austritt. Ein Zirkulationssystem mit Pumpe versorgt die Kammer kontinuierlich und hält die gewünschte Viskosität aufrecht.

Für den Etikettendruck ist das Kammerrakelsystem aus mehreren Gründen von unmittelbarer Bedeutung. Etiketten werden überwiegend im Flexodruck auf schmal- bis mittelbahnigen Maschinen produziert, und kompakte Kammerrakelsysteme sind speziell für diese Formatklasse verfügbar und ausgelegt. Die geschlossene Bauweise sorgt für eine konstante und reproduzierbare Farbversorgung der Druckform, was direkt auf die Druckqualität des fertigen Etiketts wirkt: Farben werden gleichmäßig und in kontrollierter Schichtdicke aufgetragen. Das ist besonders relevant, wenn über mehrere Produktionschargen hinweg identische Markenfarben und Layouts auf Etiketten gedruckt werden müssen, da das System den gleichen Farbauftrag bei jedem Druckauftrag gewährleistet. Darüber hinaus werden Kammerrakelsysteme im Etikettendruck nicht nur für Druckfarben, sondern auch für Lacke und Beschichtungsmedien in Lackwerken eingesetzt, etwa für Schutz- oder Glanzlacke auf der Etikettenoberfläche. Materialangepasste Dichtungen verlängern die Standzeit des Systems und reduzieren Farbverluste sowie Maschinenstillstände, was die Produktionsleistung in der Etikettenherstellung stabilisiert. Für Etikettenkäufer bedeutet der Einsatz eines Kammerrakelsystems auf Druckerseite, dass eine konsistente Farbgebung und hohe Druckqualität über verschiedene Auflagen und Aufträge hinweg technisch unterstützt wird.