Der Kratztest ist ein standardisiertes Verfahren zur mechanischen Beständigkeitsprüfung, bei dem eine aufgebrachte Kennzeichnung – etwa ein gedrucktes Etikett, ein Druckbild oder eine Lackschicht – mit definierter mechanischer Belastung einer Kratzeinwirkung ausgesetzt wird. Ziel ist es, die Widerstandsfähigkeit der Etikettenoberfläche gegen Abrieb, mechanische Beanspruchung und Ablösung zu bewerten. Im Etikettendruck wird der Begriff zwar nicht als eigenständiger Normbegriff geführt, beschreibt in der Praxis aber einen festen Bestandteil mechanischer Beständigkeitsprüfungen.
In der Anwendung wird der Kratztest eingesetzt, indem die Oberfläche eines Etiketts oder Druckbildes unter definiertem Druck mit einem Reibkörper belastet wird, um Kratzer und Abrieb aus dem realen Gebrauch zu simulieren. Ergänzend kommen Haftungs- und Klebkraftprüfungen nach FINAT-Vorgaben zum Einsatz, bei denen die Festigkeit der Verklebung auf Originaloberflächen unter standardisierten Bedingungen gemessen wird. Diese Prüfungen lassen sich mit mechanischen Beanspruchungen kombinieren, um ein vollständiges Bild der Beständigkeit eines Etiketts zu erhalten. Etikettenhersteller integrieren solche Prüfungen in mehrstufige Qualitätssicherungsprozesse, die Etiketten vor der Auslieferung durchlaufen, auch wenn die einzelnen Prüfstationen nicht immer ausdrücklich als „Kratztest“ bezeichnet werden.
Für den Etikettendruck ist der Kratztest besonders relevant, weil Etiketten in zahlreichen Branchen – etwa in der Getränke-, Kosmetik- oder Industrieverpackung – während Transport, Lagerung und Nutzung regelmäßig mit anderen Oberflächen in Kontakt kommen und dabei mechanisch beansprucht werden. Hersteller begegnen dieser Anforderung durch den gezielten Einsatz kratzfester Materialien: Kunststoff- und Folienetiketten aus PE, PP oder ähnlichen Materialien bieten von Haus aus erhöhte Abriebbeständigkeit, während Folienkaschierungen und Schutzlaminate nachträglich aufgebracht werden können, um Druckbild und Oberfläche zusätzlich zu schützen. Für Käufer von Etiketten ist dabei ein wichtiger Aspekt zu beachten: „Kratzfest“ bedeutet, dass ein Etikett dem Abrieb und den Kratzern des normalen Gebrauchs standhält – nicht jedoch einer gezielten, starken mechanischen Beschädigung etwa durch Werkzeuge. Wer Etiketten für die Qualitätssicherung oder Dokumentation einsetzt, beispielsweise als Prüf- oder QS-Etiketten, muss sicherstellen, dass die Kennzeichnung über die gesamte geforderte Nutzungsdauer lesbar und funktionsfähig bleibt. Der Kratztest liefert dafür die objektive Grundlage zur Materialauswahl und Qualitätsfreigabe.