Lichtart D50 / Lichtart D65 / Normlicht

Lichtart D50, Lichtart D65 und Normlicht bezeichnen standardisierte, exakt definierte Beleuchtungsbedingungen mit festgelegter spektraler Energieverteilung, Farbtemperatur und Farbort. Unter diesen Bedingungen werden Farben von Etiketten und Druckerzeugnissen reproduzierbar gemessen und visuell beurteilt. Die im Etiketten- und Verpackungsdruck gebräuchlichsten Normlichtarten sind D50 mit einer korrelierten Farbtemperatur von 5000 K sowie D65 mit 6500 K.

D50 simuliert mittägliches Tageslicht und ist gemäß ISO 3664:2009 die verbindliche Referenztageslichtart für die grafische Industrie, zu der der Etikettendruck ausdrücklich gehört. Die Norm legt unter anderem die spektrale Energieverteilung im Bereich 300 bis 780 nm, einen Farbwiedergabeindex von Ra größer 90 sowie die Metamerie-Indizes MIvis kleiner 1,0 und MIuv kleiner 1,5 für Normlichtgeräte fest. Für die klassische Farbabmusterung schreibt ISO 3664:2009 eine Beleuchtungsstärke von 2000 Lux auf der Betrachtungsfläche vor, für die Beurteilung von Softproofs am Monitor gelten reduzierte 500 Lux. D65 mit 6500 K ist die wichtigste Normlichtart für industrielle Farbabmusterung außerhalb der grafischen Industrie, etwa in Textil-, Kunststoff- und Konsumgüterbereichen, und ist zudem Standardeinstellung vieler Farbmessgeräte und Monitore. Viele Normlichtkabinen decken beide Lichtarten ab, sodass Metamerie-Effekte erkennbar werden: Farben, die unter D50 identisch wirken, können unter D65 oder anderen Lichtarten sichtbar voneinander abweichen.

Für den Etikettendruck ist die Einhaltung dieser Normlichtbedingungen an mehreren Stellen der Produktionskette unmittelbar entscheidend. Die Farbabstimmung an der Druckmaschine, der Vergleich von Hardcopy-Proofs mit dem Auflagendruck sowie die visuelle Abnahme fertig gedruckter Etiketten auf Papier, Folie oder Kunststoffsubstraten erfolgen in Normlichtkabinen unter D50. Nur so lassen sich Druckfarben, Lacke und Tinten normgerecht und reproduzierbar beurteilen. ISO 12647-2:2013, die für den Offset- und Verpackungsoffsetdruck und damit für weite Teile des Etikettendrucks maßgeblich ist, setzt ISO-3664-konforme D50-Betrachtungsbedingungen als unerlässliche Grundlage für farbverbindliche Kommunikation voraus. Werden in einer Lieferkette unterschiedliche Beleuchtungsbedingungen verwendet, sind Farbabweichungen zwischen Auftraggeber und Drucker zwangsläufig. Darüber hinaus erlaubt der gezielte Einsatz mehrerer Normlichtarten in einer Kabine, das Farbverhalten von Etikettenfarben unter realitätsnahen Bedingungen wie Ladenlicht (TL84) oder Glühlampenlicht (Lichtart A) zu prüfen und unerwünschte metamere Farbverschiebungen bereits vor dem Produktionsstart zu erkennen.