Lichtechtheit bezeichnet im Etikettendruck die Widerstandsfähigkeit von Druckfarben und Druckbildern gegenüber der Einwirkung von Licht – insbesondere dem UV-Anteil des Sonnenlichts – ohne Berücksichtigung zusätzlicher Witterungseinflüsse wie Regen oder Luftschadstoffe. Die Definition folgt der DIN 16525, die Lichtechtheit als Eigenschaft von Drucken auf beliebigen Bedruckstoffen, hergestellt in beliebigen grafischen Verfahren, normiert. Messtechnisch wird Lichtechtheit über die Wollskala (auch Blaumaßstab genannt) in acht Klassen erfasst, von WS 1 (sehr geringe Beständigkeit) bis WS 8 (hervorragende Beständigkeit).
Die Messung erfolgt mit standardisierten Prüfgeräten und einer definierten UV-Lichtquelle. Dabei werden acht blaue Wollstreifen absteigender Lichtechtheit gemeinsam mit der Druckprobe belichtet, während ein Teil abgedeckt bleibt. Sobald der lichtechteste Streifen beginnt auszubleichen, wird die Probe mit den Streifen verglichen und die entsprechende Wollskala-Klasse bestimmt. Die Klassen lassen sich grob in Belichtungszeiten im Freien übersetzen: WS 1 entspricht etwa fünf Tagen, WS 8 etwa 700 Tagen unter mitteleuropäischen Außenbedingungen. Wichtig ist dabei, dass hohe Lichtechtheit nicht automatisch allgemeine Freilandtauglichkeit bedeutet, da Feuchtigkeit und andere Witterungseinflüsse gesondert bewertet werden müssen.
Für den Etikettendruck ist Lichtechtheit ein zentraler Farbmanagement-Parameter, der unmittelbar über die Verwendbarkeit von Etiketten an lichtexponierten Orten entscheidet. Druckfarben auf Etiketten, die im Schaufenster, im Außenlager oder im Freien eingesetzt werden, müssen ausreichend lichtecht sein, damit Farbintensität, Lesbarkeit von Barcodes, Warnhinweisen und Markenfarben dauerhaft erhalten bleiben. Wasserbasierte Flexodruckfarben, die im Etikettendruck weit verbreitet sind, erreichen typischerweise Lichtechtheiten von WS 4 bis maximal WS 7. Konzentrierte, nicht mit Weiß aufgehellte Farben sind dabei grundsätzlich lichtechter als aufgehellte Mischungen. Für Außenanwendungen werden häufig UV-beständige Folien in Kombination mit lichtechten Farbserien eingesetzt, wobei die Lichtechtheit der Druckfarbe der entscheidende Kennwert bleibt.
Etikettendruckereien sind gehalten, Kunden die erreichten Wollskala-Werte transparent zu kommunizieren, damit diese die Eignung für den vorgesehenen Einsatzort – innen, außen, dauerhaft beleuchtet – sachlich beurteilen können. Eine zu niedrig gewählte Lichtechtheitsklasse führt zu sichtbarem Ausbleichen, Farbveränderungen und im schlechtesten Fall zum Verlust der Kennzeichnungsfunktion. Die Lichtechtheit ist damit kein rein technischer Laborwert, sondern ein praktisches Auslegungskriterium bei der Farbauswahl, der Materialspezifikation und der Qualitätssicherung im Etikettendruck.