Mehrwegkennzeichnung

Mehrwegkennzeichnung bezeichnet im industriellen Etikettendruck die dauerhafte, meist maschinenlesbare Kennzeichnung von wiederverwendbaren Ladungsträgern und Mehrwegbehältern – etwa Kisten, Trays, Container und Paletten – zur eindeutigen Identifikation und Rückverfolgung in logistischen Kreisläufen. Im Unterschied zur Einwegkennzeichnung ist sie ausdrücklich auf hohe Lebensdauer und eine Vielzahl von Umläufen ausgelegt. Technisch umfasst sie sowohl optische Identifikatoren wie Barcodes, 2D-Codes und Klarschrift als auch kontaktlose Identifikatoren in Form von RFID-Transpondern.

In der Praxis kommen je nach Anforderung unterschiedliche Lösungen zum Einsatz. RFID-Labels ermöglichen die automatische, berührungslose Identifikation von Behältern entlang der gesamten Lieferkette und unterstützen damit die Rückverfolgbarkeit und Prozesssicherheit in Kreislaufsystemen. Eine technisch anspruchsvollere Variante ist das In-Mould-Labeling, kurz IML: Dabei wird das Etikett bereits während des Spritzgießprozesses fest in das Kunststoffteil integriert, was maximale Robustheit und Hygieneeignung bietet. Typische Branchen sind Lebensmittelindustrie, Logistik, Handel und Automotive, in denen Behälter regelmäßig gereinigt, befüllt und transportiert werden. Ergänzend schreibt eine Verordnung im Einzelhandel vor, dass Regale mit Einweg- oder Mehrwegflaschen durch entsprechende Kennzeichnungsschilder eindeutig zu unterscheiden sind, was ebenfalls Anforderungen an Etiketten und Schilder stellt.

Für den Etikettendruck hat die Mehrwegkennzeichnung direkte Konsequenzen bei der Materialauswahl und der Verfahrenswahl. Etiketten für Mehrweganwendungen müssen mechanischer Beanspruchung, häufigen Reinigungszyklen, Chemikalien, Temperaturschwankungen und Hygieneanforderungen standhalten. Das erfordert speziell abgestimmte Folienmaterialien, Kunststoffträger und Haftmaterialien mit entsprechend hoher Beständigkeit. Beim Druckverfahren gilt der Thermotransferdruck als etablierter Standard für variable Daten wie Seriennummern und Codes auf industriellen Etiketten; er setzt den Einsatz geeigneter, chemikalienbeständiger Farbbänder voraus. Für die Applikation werden Print-and-Apply-Systeme sowie Etikettendruck-Spender genutzt, die den Auftrag langlebiger Etiketten oder RFID-Transponder-Labels direkt auf Mehrwegbehältern automatisieren. Ein Hersteller oder Käufer von Etiketten muss bei Mehrweganwendungen also von Beginn an die Gesamtzahl der geplanten Umläufe, die Reinigungsbedingungen und die Identifikationstechnologie als Auswahlkriterien berücksichtigen – Standardetiketten für Einwegverpackungen sind für diesen Einsatzzweck in der Regel ungeeignet. Gesetzliche Vorgaben zur Rückverfolgbarkeit sowie länderspezifische Verpackungskennzeichnungspflichten, etwa in Italien und Frankreich, erhöhen zusätzlich den Anspruch an Dokumentation und Norm-Konformität der eingesetzten Kennzeichnungslösungen.