Nachdrucketikett

Der Begriff „Nachdrucketikett“ ist im deutschsprachigen Fachbereich des Etikettendrucks kein normativ festgelegter oder einheitlich definierter Terminus. Er beschreibt im allgemeinen Sprachgebrauch ein Etikett, das nicht vorab in großen Auflagen vorgefertigt, sondern bedarfsgerecht – also im Moment des Bedarfs oder nachträglich – auf entsprechenden Drucksystemen erzeugt wird. Im industriellen Kontext steht der Begriff damit für eine flexible Form der Kennzeichnung, bei der Etiketten direkt im Produktions- oder Logistikprozess gedruckt und angebracht werden.

In der Praxis kommen Nachdrucketiketten überall dort zum Einsatz, wo Produkte, Materialien, Teile, Kartonagen, Paletten oder Versandbehälter kurzfristig und individuell beschriftet werden müssen. Da jedes Etikett unmittelbar vor der Verwendung erzeugt wird, lassen sich aktuelle Informationen wie Tracking-Daten, Barcodes oder QR-Codes variabel und fehlerfrei aufdrucken. Für diesen Zweck werden in der industriellen Kennzeichnung vor allem die Druckverfahren Thermotransfer und Thermodirekt eingesetzt. Beim Thermotransferverfahren wird Farbe mithilfe eines Farbbands auf das Etikettensubstrat übertragen, während beim Thermodirektverfahren das Material selbst thermisch reagiert und keine zusätzliche Farbquelle benötigt. Welches Verfahren geeignet ist, hängt maßgeblich vom jeweiligen Etikettensubstrat ab – die Wahl des Materials bestimmt sowohl den einzusetzenden Drucker als auch das passende Farbband.

Für den Etikettendruck ist die Unterscheidung zwischen vorgefertigten und bedarfsgerecht gedruckten Etiketten aus mehreren Gründen relevant. Erstens erlaubt die direkte Produktion unmittelbar vor der Applikation eine hohe Flexibilität bei wechselnden Produktinformationen, wie sie in Fertigung und Logistik typisch sind. Zweitens unterstützen solche Etiketten die Rückverfolgbarkeit von Produkten entlang der Lieferkette, was sowohl für interne Prozesse als auch für die Einhaltung regulatorischer Anforderungen von Bedeutung sein kann. Drittens wirkt sich die Wahl des Etikettensubstrats direkt auf die Eignung für das jeweilige Drucksystem aus – wer Nachdrucketiketten plant, muss Material, Druckverfahren und Einsatzumgebung aufeinander abstimmen. Dabei kann ein Etikett entweder als Klebetikett oder als Anhänger ausgeführt sein; in bestimmten Anwendungen ist auch ein Direktdruck auf den Artikel selbst möglich, was den Begriff des Nachdrucketiketts dann gegenstandslos macht. Für Hersteller und Einkäufer von Etiketten bedeutet dies: Bei der Beschaffung von Nachdrucketiketten steht nicht allein das Etikett im Mittelpunkt, sondern das Gesamtsystem aus Material, Drucktechnologie und Kennzeichnungsgerät.