Retroreflexfolie bezeichnet eine selbstklebende Kunststofffolie, deren Oberfläche einfallendes Licht weitgehend unabhängig vom Einfallswinkel zurück zur Lichtquelle reflektiert. Dieses Prinzip – die sogenannte Retroreflexion – unterscheidet sich grundlegend von gewöhnlicher Spiegelreflexion, bei der Einfallswinkel und Ausfallswinkel identisch sind. Durch diesen Effekt erscheint ein mit Retroreflexfolie etikettiertes Objekt im direkten Lichtstrahl einer Lichtquelle, etwa von Fahrzeugscheinwerfern, deutlich heller als seine Umgebung.
Die Funktionsfähigkeit einer Retroreflexfolie beruht auf Mikrostrukturen in der Folienoberfläche, die das Licht gezielt zurückwerfen. Die Leistungsfähigkeit wird über genormte Reflexionsklassen – RA1, RA2 und RA3 – definiert, wobei höhere Klassen einen stärkeren Rückstrahlwert bedeuten. Hersteller wie 3M oder Orafol bieten Retroreflexfolien für verschiedene Einsatzzwecke an; die ORALITE® 5500 Engineer Grade etwa weist eine Foliendicke von rund 0,110 mm auf, ohne Kleber und Schutzpapier. Retroreflexfolien sind darüber hinaus witterungsbeständig sowie beständig gegen Korrosion, Lösungsmittel, Kratzer und Schläge, was sie für den dauerhaften Außeneinsatz qualifiziert. Im Kontext der Arbeitssicherheit sind sie gemäß ASR A1.3 zur Kennzeichnung temporärer und beweglicher Hindernisse oder Gefahrenstellen vorgesehen.
Für den Etikettendruck und die industrielle Kennzeichnung ist Retroreflexfolie aus mehreren Gründen bedeutsam. Als bedruckbares Material wird sie unter anderem für den Digitaldruck eingesetzt – speziell dafür ausgelegte prismatische Reflexfolien von 3M erfordern dabei kompatible Digitaldrucksysteme. Zusätzlich lassen sich Retroreflexfolien auf Schneidplotteranlagen problemlos verarbeiten, was die Herstellung konturgeschnittener Etiketten und Aufkleber ermöglicht; die Folien passen sich dabei auch über Sicken und Nieten an. Wer Retroreflexfolien als Etikettenbedruckstoff auswählt, muss zunächst die passende Reflexionsklasse entsprechend der geforderten Sichtbarkeit und der einschlägigen Normanforderungen festlegen. Für sicherheitsrelevante Kennzeichnungen im betrieblichen Umfeld ist Regelkonformität – insbesondere hinsichtlich ASR A1.3 – ein entscheidendes Auswahlkriterium. Die hohe Beständigkeit des Materials reduziert den Austauschbedarf und macht Retroreflexfolien-Etiketten wirtschaftlich attraktiv für langlebige Außenanwendungen. Typische Einsatzfelder sind Warnmarkierungen, Absperreinrichtungen, Reflexfolien-Zuschnitte für Poller und Absperrpfosten sowie Kennzeichnungen auf Fahrzeugen, Aluminium- oder Kunststoffoberflächen. Der Untergrund muss für eine dauerhafte Haftung des selbstklebenden Trägers geeignet sein.