SBTi-Klimaziele (Science Based Targets initiative)

SBTi-Klimaziele (Science Based Targets initiative) bezeichnen wissenschaftsbasierte, unternehmensbezogene Treibhausgas-Reduktionsziele, die von der Science Based Targets initiative – einer globalen Partnerschaft aus CDP, UN Global Compact, World Resources Institute und WWF – methodisch geprüft und validiert werden. Diese Ziele müssen im Einklang mit dem 1,5-°C-Ziel des Pariser Klimaabkommens stehen und basieren auf wissenschaftlichen Vorgaben des IPCC. Der Begriff bezeichnet damit keine freiwillige Selbstauskunft, sondern ein extern geprüftes und veröffentlichtes Klimaziel eines Unternehmens.

Die Methodik der SBTi verpflichtet Unternehmen dazu, mindestens 95 % ihrer direkten Emissionen (Scope 1 und 2 nach GHG-Protocol) sowie relevante Scope-3-Emissionen aus der Lieferkette einzubeziehen, sofern diese mehr als 40 % der Gesamtemissionen ausmachen. Für kurzfristige Ziele gilt ein maximaler Zeithorizont von 15 Jahren; 1,5-°C-konforme Ziele erfordern typischerweise jährliche Reduktionsraten von mindestens 4,2 % bei Scope 1 und 2. Langfristig verlangt der Corporate Net-Zero Standard der SBTi eine Reduktion der Bruttoemissionen um rund 90 % bis 2050. Entscheidend: CO₂-Zertifikate und Offsets dürfen zur Erreichung der eigentlichen Reduktionsziele nicht eingesetzt werden. Nur verbleibende Restemissionen beim Netto-Null-Punkt dürfen durch hochwertige CO₂-Entnahmen neutralisiert werden. Die SBTi hat sich unter der EU-Nachhaltigkeitsberichtspflicht CSRD und deren European Sustainability Reporting Standards (ESRS) zum De-facto-Standard für glaubwürdige, 1,5-Grad-konforme Klimaziele entwickelt.

Für den Etikettendruck ist dieser Standard auf mehreren Ebenen relevant. Etikettenhersteller, die SBTi-Ziele einreichen und validieren lassen, verpflichten sich verbindlich, die Emissionen ihrer gesamten Produktion und Lieferkette messbar zu senken – einschließlich Energieverbrauch in der Fertigung, Materialbeschaffung und nachgelagerten Lieferkettenprozessen. Diese Reduktionen müssen transparent berichtet und regelmäßig offengelegt werden. Für Etikettenverarbeiter und -käufer schafft die SBTi-Validierung nachprüfbare Vergleichbarkeit: Die Klimaziele eines Lieferanten sind nicht intern festgelegt, sondern von einer unabhängigen Initiative methodisch geprüft und mit internationalen Klimazielen abgeglichen. Das reduziert das Risiko von Greenwashing und erhöht die Verlässlichkeit von Nachhaltigkeitsaussagen entlang der Lieferkette. Unternehmen der Druckindustrie mit SBTi-Zielen müssen reale Emissionsminderungen umsetzen – etwa durch Energieeffizienzmaßnahmen oder den Einsatz erneuerbarer Energien –, da CO₂-Kompensationszertifikate zur Zielerreichung ausdrücklich ausgeschlossen sind. Branchenspezifische Vorgaben zu konkreten Etikettenmaterialien oder Druckverfahren enthält die SBTi-Methodik nicht; der Standard wirkt auf Unternehmensebene, nicht als Produktnorm.