Schöndruck und Widerdruck bezeichnen die beiden Druckgänge beim zweiseitigen Bedrucken eines Bogens: Der erste Druckgang auf der Vorderseite heißt Schöndruck, der zweite Druckgang auf der Rückseite Widerdruck. In der Fachsprache wird das Verfahren auch als S+W-Druck abgekürzt.
Der Ablauf folgt einem klaren Prinzip: Im ersten Durchgang wird eine Seite des Bedruckstoffs bedruckt (Schöndruck), anschließend wird der Bogen gewendet – entweder durch Umschlagen oder Umstülpen – und im zweiten Durchgang wird die Rückseite bedruckt (Widerdruck). Technisch erfolgt das entweder in zwei separaten Maschinendurchläufen oder in einem einzigen Durchlauf auf sogenannten Perfektormaschinen, die den Bogen innerhalb der Maschine automatisch wenden. Bei diesen S+W-Maschinen ist ein bekanntes Qualitätsproblem zu beachten: Der frisch gedruckte Schöndruck kommt beim Wenden mit den Gegendruckzylindern in Berührung, was zu Verschmierungen und Rasterproblemen führen kann und entsprechende Prozessanpassungen erfordert. Historisch war der Schöndruck die bevorzugte Seite für aufwändige Bildelemente, da die Filzseite des Papiers eine glattere Oberfläche bot als die Siebseite. Heute sind Papieroberflächen in der Regel beidseitig gleichwertig, die Begriffe dienen aber weiterhin der klaren Unterscheidung zwischen erster und zweiter bedruckter Seite.
Für den Etikettendruck ist der Begriff in mehrfacher Hinsicht relevant. Überall dort, wo Etikettenmaterial beidseitig bedruckt wird – etwa mit Produktinformationen auf der Vorderseite und ergänzenden Angaben, Aktionscodes oder Coupons auf der Rückseite –, beschreibt der Begriff technisch genau diesen Produktionsprozess, ob auf Etikettenbögen oder auf beidseitig bedruckten Materialbahnen. Für Etikettendruckereien bedeutet S+W-Druck grundsätzlich zwei Druckgänge oder einen Perfektor-Durchlauf, was in der Produktionsplanung und Kalkulation zu berücksichtigen ist. Für Auftraggeber, die Etiketten beschaffen, ist der Begriff ein präzises Kommunikationsmittel: Die Angabe „Druck im Schön- und Widerdruck“ stellt unmissverständlich klar, dass beide Seiten des Bedruckstoffs bedruckt werden sollen, ohne dass die genaue Wendemethode vorab festgelegt werden muss. Das erleichtert die Abstimmung zwischen Auftraggeber und Druckerei erheblich. Die Begriffe stammen aus der allgemeinen Drucktechnik und sind nicht spezifisch für den Etikettendruck definiert; ihre Anwendung im Etikettenbereich folgt sinngemäß der allgemeinen drucktechnischen Bedeutung.