Slip-Additiv

Ein Slip-Additiv ist ein Zusatzstoff, der Beschichtungen, Lacken oder Kunststofffolien beigemischt wird, um die Gleitfähigkeit der Oberfläche zu erhöhen und die Reibung zu reduzieren. Dadurch verbessern sich gleichzeitig die Kratzfestigkeit, die Blockfestigkeit sowie das allgemeine Verarbeitungsverhalten des Materials. Typische chemische Klassen sind Wachse wie Polyethylen- oder Carnaubawachse, Silikone beziehungsweise Polysiloxane, Fluorpolymere sowie mineralische und organische Partikel.

In der Praxis werden Slip-Additive direkt der Lack- oder Beschichtungsformulierung zugesetzt, beispielsweise in wässrigen, lösemittelhaltigen oder UV-härtenden Systemen. Polysiloxane reichern sich dabei bevorzugt an der Oberfläche an und bilden dort eine Gleitschicht; Wachse wirken über einen dünnen Schmierfilm, der mechanische Kratzerbildung verhindert. Alternativ lassen sich bestimmte Additive als Granulat in nasse Beschichtungen einarbeiten. Neben der Gleitwirkung beeinflussen Slip-Additive in Lacksystemen auch den Verlauf, die Oberflächenglätte sowie haptische Eigenschaften und können unerwünschten Effekten wie Fischaugenbildung oder Kantenflucht entgegenwirken. Technisch charakterisiert wird ihre Wirkung über den COF-Wert (Coefficient of Friction), also den mess­baren Gleitreibungskoeffizienten der behandelten Oberfläche.

Für den Etikettendruck sind Slip-Additive an mehreren Stellen der Wertschöpfungskette relevant. In der Folien- und Etikettenherstellung reduzieren sie die Reibung zwischen Folienschichten und ermöglichen einen störungsfreien Maschinenlauf an Extrusions-, Druck- und Veredelungsanlagen, bei denen Etikettenrollen über Walzen, Führungselemente und Ab- sowie Aufwickelsysteme laufen. Die verbesserte Blockfestigkeit verhindert, dass gestapelte oder aufgerollte Etiketten miteinander verkleben – ein kritischer Faktor für die zuverlässige Vereinzelung im Spender oder Automaten. Auf der Oberfläche veredelter Etiketten erhöht der Einsatz von Slip-Additiven in Überdrucklacken oder Schutzlacken die Kratzfestigkeit, was die Lesbarkeit von Aufdrucken, Barcodes und QR-Codes über die gesamte Produktlebensdauer sichert. Silikonbasierte Slip-Additive machen Oberflächen zudem weniger verschmutzungsanfällig und leichter zu reinigen. Ein weiterer spezifischer Einsatzbereich betrifft silikonisierte Trägermaterialien und Etikettenliner: Dort beeinflusst die Konzentration und Art des Silikonanteils gezielt die Bandablösung (Tape Release), also die Kraft, die zum Ablösen des Etiketts vom Liner benötigt wird. Für Hersteller bedeutet die gezielte Auswahl von Slip-Additiven damit ein Werkzeug, um sowohl maschinentechnische Anforderungen als auch die mechanische Qualität und das Handling der fertigen Etiketten präzise einzustellen.