Softtouch-Lack (auch Soft-Touch-Lack) ist ein spezieller Druck- bzw. Oberflächenlack oder eine matte Laminatbeschichtung, die Etiketten- und Verpackungsoberflächen eine samtige, weich-gummiartige Haptik sowie ein stark mattes, reflexionsarmes Erscheinungsbild verleiht. Der Lack zählt zu den Dispersionslacken und kann im Druckprozess wie eine zusätzliche Farbe verarbeitet werden. Er ist in der Regel transparent, lässt sich aber auch mit Pigmenten farbig formulieren.
Die besondere Haptik entsteht durch eine spezifische Lackzusammensetzung und ein Trocknungsverfahren, das die Oberfläche mikrostrukturiert. Diese Mikrostruktur streut einfallendes Licht stark, was sowohl den ausgeprägten Matteffekt als auch das charakteristische Griffgefühl erzeugt. Im Etikettendruck existiert der Softtouch-Effekt in zwei Ausführungen: als Drucklack, etwa als Soft-Touch-UV-Lack, der inline auf Offset-, Flexo- oder Siebdruckmaschinen aufgetragen wird, sowie als spezielle matte Veredelung auf einem transparenten Laminat, das nach dem Druck auf Folienetiketten kaschiert wird. Im Siebdruck lassen sich dabei die größten Schichtdicken erzielen, was die haptische und optische Wirkung gegenüber anderen Verfahren weiter verstärkt. Als Dispersionslack verarbeiten Druckereien Softtouch-Lack auf gestrichenen Papieren ab einem Flächengewicht von 130 g/m² sowie auf Folien und Kaschierungen.
Für den Etikettendruck ist Softtouch-Lack aus mehreren Gründen praxisrelevant. Anwendungsseitig wird er besonders in der Kosmetik- und Beautybranche sowie bei Premium-Getränken eingesetzt, wo ein hochwertiges Griffgefühl zur Markenpositionierung am Regal beiträgt. Dabei kann die Beschichtung vollflächig oder partiell appliziert werden: Ein partieller Auftrag auf glänzendem Untergrund erzeugt einen optischen Kontrast, der bestimmte Etikettenelemente gezielt hervorhebt. Was die Verarbeitungskosten betrifft, gilt Softtouch-Lack verglichen mit anderen Veredelungen als relativ günstig, da er inline im Druckprozess integriert werden kann.
Hersteller und Druckereien müssen jedoch spezifische Verarbeitungshinweise beachten. Softtouch-Oberflächen sind kratzempfindlich, was bei Maschinendurchlauf, Stapelbildung und Weiterverarbeitung berücksichtigt werden muss. Zudem erzeugt die Beschichtung eine rutschhemmende Wirkung, die den Transport auf Förderanlagen beeinflussen kann. Ein weiterer drucktechnisch relevanter Effekt: Die starke Lichtstreuung dämpft Farben spürbar – aus einem tiefen Schwarz kann ein mattes Grau werden. Für Druckvorstufen bedeutet das, dass Farbtöne bei Bedarf angepasst werden müssen, um die gewünschte Farbwirkung unter dem Softtouch-Lack zu erhalten. Käufer von Softtouch-Etiketten sollten außerdem bedenken, dass die Oberfläche bei intensiver mechanischer Belastung, etwa durch enge Verpackung oder automatisierte Fördertechnik, anfälliger für Abrieb ist als hochglanzlaminierte Alternativen.