Steinpapier

Steinpapier – auch als Mineralpapier bezeichnet – ist ein zellstoff- und holzfreies, papierähnliches Bahnenmaterial, das zu etwa 60–80 % aus fein gemahlenem Calciumcarbonat (Kalkstein- oder Marmormehl) und zu 20–40 % aus Polyethylen als Kunststoffbinder besteht. Es kombiniert die Verarbeitungseigenschaften von Papier mit den physikalischen Eigenschaften einer Folie, insbesondere Wasserfestigkeit und hohe Reißfestigkeit. In der Herstellung werden weder Wasser, noch Holzfasern, noch Bleichmittel oder Säuren eingesetzt.

Die Produktion erfolgt über ein spezialisiertes Folienextrusionsverfahren: Marmorbruch wird zu Staub zerkleinert, mit Recycling-HDPE zu Pellets verpresst, erhitzt und zur fertigen Folienbahn ausgebracht. Das Ergebnis ist ein Material mit matter, samtiger Oberfläche und einem charakteristischen Soft-Touch-Effekt, das in Grammaturen von etwa 120 bis 400 g/m² verfügbar ist. Im Etikettendruck wird Steinpapier überwiegend als dünne Bahnware eingesetzt und lässt sich auf Standard-Rollendruckmaschinen im Offset- und Digitaldruck verarbeiten. Darüber hinaus sind Veredelungen wie Blindprägung, Heißprägung und Relieflack ausdrücklich möglich. Da sich das Material mechanisch eher wie eine Folie verhält, reduzieren sich beim Stanzen und Konfektionieren Einrissprobleme, die bei herkömmlichem Papier auftreten können.

Für den Etikettendruck ist Steinpapier vor allem dann relevant, wenn Etiketten dauerhafter Feuchtigkeitseinwirkung, Nässe oder mechanischer Beanspruchung ausgesetzt sind. Typische Anwendungsfelder sind Pflanzenstecketiketten im Gartenbau – hier ist das Material wetterfest, UV- und feuchtigkeitsbeständig und für bestimmte Produkte mit einem Unbedenklichkeitszertifikat für die Kennzeichnung von Lebensmitteln erhältlich –, sowie Produktetiketten in der Kosmetik-, Chemie- und Getränkeindustrie, wo Behälter regelmäßig mit Flüssigkeiten in Berührung kommen. Als Alternative zu klassischen Papier-, PE- und PVC-Etiketten positioniert sich Steinpapier in Segmenten, die gleichzeitig höhere Strapazierfähigkeit und ökologische Anforderungen stellen: Der CO₂-Fußabdruck liegt laut Herstellerangaben deutlich unter dem von Zellulosepapier, und Rohmaterialien wie Marmorbruch sowie Recycling-PE werden als Ausgangsstoffe eingesetzt. Entsorgungsseitig ist zu beachten, dass Steinpapier dem Kunststoffrecycling zugeordnet wird – konkret dem PE-Recyclingstrom der Kategorie 2 – und nicht über den Altpapierweg entsorgt werden kann. Etikettenhersteller müssen diesen Punkt in der Produktkommunikation und bei Recyclinghinweisen auf der Verpackung berücksichtigen.