Eine Strichzeichnung – im englischen Sprachraum als *line art* bekannt – ist eine grafische Darstellung, die ausschließlich aus Linien besteht und weder Tonwerte noch Farbflächen enthält. Es handelt sich damit um eine rein zweistufige Grafik: Jeder Punkt ist entweder gesetzt oder nicht gesetzt, ohne Abstufungen dazwischen. Im Kontext der Druckvorstufe bezeichnet der Begriff folglich Bildmaterial, das ohne Raster- oder Verlaufsinformationen auskommt.
Im technischen Arbeitsablauf der Druckvorstufe spielt diese Eigenschaft eine wichtige Rolle bei der Datenvorbereitung. Grafiken, Texte, Codes und fortlaufende Nummern sind typische Inhalte, die für den Etikettendruck aufbereitet werden müssen. Strichzeichnungen lassen sich dabei besonders präzise reproduzieren, weil ihre harten Kanten und klaren Kontraste keine aufwendige Rasterung erfordern. Das unterscheidet sie grundlegend von fotografischen oder tonwerthaltigen Vorlagen, bei denen Halbtöne durch Druckraster simuliert werden müssen.
Für den Etikettendruck ist dieser Unterschied in mehrfacher Hinsicht praktisch relevant. Industrielle Kennzeichnungslösungen, wie sie etwa in Logistik, Verpackungsbranche und produzierendem Gewerbe für die Beschriftung von Produkten, Kartonagen und Paletten eingesetzt werden, übertragen Inhalte häufig als Grafiken, Codes oder Texte – also als Elemente, die strukturell einer Strichzeichnung nahekommen. Thermotransfer-Verfahren, Laserbeschriftung und andere Drucktechniken, die im Etikettendruck verbreitet sind, arbeiten bei solchen Vorlagen besonders zuverlässig, weil scharfe Linien und hohe Kontraste direkt und ohne Qualitätsverlust übertragen werden können.
Hersteller und Käufer von Etiketten sollten beachten, dass die Eignung einer Drucktechnik oder eines Materials immer auch von der Art der zu druckenden Grafik abhängt. Strichbasierte Inhalte wie Logos, Barcodes oder Piktogramme stellen andere Anforderungen an Auflösung und Druckverfahren als fotografische Motive. Materialien wie PVC- oder Metalletiketten, die für industrielle Anwendungen mit Anforderungen an Beständigkeit eingesetzt werden, müssen ebenso auf die gewünschte Darstellungsqualität abgestimmt sein wie die gewählte Stanzform oder der Laserschnitt. Wer Etiketten mit strichbasierten Grafiken produzieren oder beschaffen möchte, sollte sicherstellen, dass die Druckdaten in einem geeigneten Format – idealerweise vektorbasiert – vorliegen, um eine saubere, skalierbare Wiedergabe auf allen gängigen Etikettiersystemen zu gewährleisten.
Als eigenständiger normierter Produktionsschritt ist „Strichzeichnung“ im Etikettendruck nicht definiert; der Begriff beschreibt vielmehr eine grundlegende grafische Eigenschaft von Vorlagenmaterial, die bei der Datenvorbereitung und Verfahrensauswahl berücksichtigt werden sollte.