Tamp-Applikator

Ein Tamp-Applikator ist ein spezieller Applikatortyp in automatischen Etikettier- und Print-&-Apply-Systemen, bei dem ein Etikett über einen linear ausfahrenden Stempelarm aufgenommen und durch eine direkte Andrückbewegung auf das Produkt übertragen wird. Der Begriff leitet sich von der englischen Bezeichnung für das tastende oder stempelnde Aufbringen ab. Tamp-Applikatoren werden auch als Teleskop-Stempel-Applikatoren bezeichnet und sind ein etablierter Standard in der vollautomatischen Kennzeichnung industrieller Fertigungslinien.

Die Funktionsweise basiert auf zwei Kernkomponenten: einer Stempelplatte, auf die das Etikett vom Spendesystem transportiert und mittels Vakuum fixiert wird, sowie einem Stempelarm, der eine lineare Hubbewegung zum Produkt hin ausführt. Läuft ein Produkt auf einem Förderband am System vorbei, fährt der Applikatorarm aus, setzt die Stempelplatte mit dem Etikett auf die Produktoberfläche auf und überträgt es durch den Kontaktdruck. Eine Variante ist das sogenannte Tamp-Blow-Verfahren, bei dem der Applikator nicht vollständig aufsetzt, sondern das Etikett in unmittelbarer Produktnähe durch einen gezielten Luftstoß von der Stempelplatte überträgt, nachdem es zuvor vakuumfixiert war. Systeme wie der Diagraph PA7100 oder der Videojet 9550 nutzen dieses Prinzip und erreichen je nach Etikettenlänge und Hublänge Leistungen von bis zu 120 Etikettierungen pro Minute. Modifizierte Tamp-Systeme ermöglichen zusätzlich einen sogenannten Corner-Wrap, bei dem Etiketten um Produktkanten herumgeführt werden.

Für den Etikettendruck ist der Tamp-Applikator aus mehreren Gründen unmittelbar relevant. Da das Etikett maschinell auf die Stempelplatte gespendert und von dort automatisch appliziert wird, sind ausschließlich selbstklebende Etiketten auf Trägermaterial einsetzbar, die für automatische Spendesysteme geeignet sind. Das Etikettenformat muss exakt auf die Systemspezifikationen abgestimmt sein: Systeme wie das Matthews T63 verarbeiten Palettenetiketten bis zum Format A5 und sind auf die Erfüllung der GS1-Standards für Palettenetikettierung ausgelegt, was Layout und Barcode-Codierung der Etiketten direkt beeinflusst. Die gewählte Applikationsart – ob Tamp, Tamp-Blow oder Corner-Wrap – bestimmt darüber hinaus, an welcher Position das Etikett platziert wird, ob also Seite, Vorder- oder Rückfläche oder eine Kante beklebt werden soll, und damit auch die erforderliche Etikettengeometrie. Die Haftungseigenschaften des Etikettenmaterials müssen zudem auf die jeweilige Oberfläche abgestimmt sein, da die Übertragung auf Kartons, Trays oder Palettenoberflächen unterschiedliche Anforderungen an den Klebstoff stellt. Wer Etiketten für den Einsatz in Tamp-Applikatorsystemen beschafft oder produziert, muss Format, Material und Codierung daher stets in Abstimmung mit den Spezifikationen des eingesetzten Print-&-Apply-Systems definieren.