Thixotropie bezeichnet in der Rheologie ein zeitabhängiges Fließverhalten: Ein thixotropes Material wird unter anhaltender mechanischer Belastung oder Scherung mit der Zeit zunehmend dünnflüssiger und baut seine ursprünglich höhere Viskosität nach dem Ende der Belastung wieder auf. Der Begriff beschreibt also keinen festen Materialzustand, sondern ein dynamisches Wechselspiel zwischen Belastung und Erholung.
In der Klebetechnik wird Thixotropie konkret als Eigenschaft beschrieben, die einem Klebstoff sowohl Verarbeitbarkeit als auch Standfestigkeit verleiht. Wird der Klebstoff etwa beim Auftragen mechanisch beansprucht, wird er fließfähiger und lässt sich gleichmäßig verarbeiten. Lässt die Scherbelastung nach, kehrt das Material in einen gelartigen, viskoseren Zustand zurück. In der Praxis bedeutet das: Eine aufgetragene Klebstoffraupe verläuft nicht, und an senkrechten Flächen aufgebrachter Klebstoff läuft nicht ab. Dieses Verhalten ist Ausdruck der Rheologie, also der Wissenschaft vom Deformations- und Fließverhalten von Stoffen unter äußeren Kräften.
Für den Etikettendruck ist Thixotropie vor allem im Kontext der verwendeten Klebstoffe relevant, auch wenn der Begriff dort nicht als eigenständiges, normiertes Auswahlkriterium ausgewiesen wird. Etikettenklebstoffe auf Basis von Acryl oder Kautschuk müssen im Verarbeitungsprozess präzise dosiert und aufgetragen werden, ohne danach unkontrolliert zu fließen oder sich zu verziehen. Thixotrope Eigenschaften eines Klebstoffs können in diesem Zusammenhang dazu beitragen, dass der Auftrag maschinell stabil und reproduzierbar erfolgt und das Klebstoffbild nach dem Auftragen formstabil bleibt. Für Etikettenhersteller und Einkäufer von Etikettenmaterial ist deshalb die gesamte Klebstoffcharakteristik entscheidend: Neben klassischen Kenngrößen wie Haftkraft, Ablösbarkeit oder Tiefkühltauglichkeit gehört das Fließverhalten unter Prozessbedingungen zu den Faktoren, die Klebstoffauswahl und Maschineneinstellung beeinflussen. Thixotropie beschreibt dabei einen spezifischen Aspekt dieses Fließverhaltens, der besonders dann praktische Bedeutung erlangt, wenn Klebstoffe in definierten Raupen oder Schichten aufgetragen werden und nach dem Auftragen formstabil bleiben müssen. Wer Etikettenklebstoffe auswählt oder bewertet, sollte das Fließverhalten daher nicht nur als statische Viskositätsangabe verstehen, sondern als zeitabhängige Größe, die unter realen Verarbeitungsbedingungen variiert.