Umschlagen und Umstülpen bezeichnen zwei klar definierte Methoden, einen einseitig bedruckten Druckbogen für den zweiten Druckgang zu wenden. Sie sind Fachbegriffe für den Schön- und Widerdruck, also das beidseitige Bedrucken eines Bogens, und beschreiben ausschließlich die Art der Bogenwendung, nicht das Druckverfahren selbst.
Beim Umschlagen wird der Bogen senkrecht zur Greiferkante gewendet – vergleichbar mit dem Umblättern einer Buchseite. Die Vorderanlage bleibt dabei unverändert, während die Seitenanlage auf die gegenüberliegende Seite wechselt. Dieser Vorgang lässt sich nicht innerhalb der Druckmaschine durchführen; der Bogen muss außerhalb gewendet werden, beispielsweise mit einem Staplerwender oder manuell. Beim Umstülpen hingegen wird der Bogen parallel zur Greiferkante gewendet: Vorder- und Hinterkante tauschen die Position, die Seitenkanten bleiben identisch, und die Vorderanlage wechselt. Diese Wendeart lässt sich maschinell integrieren – Bogenoffsetmaschinen mit Wendeeinrichtung realisieren das Umstülpen über ein System aus Übergabe-, Speicher- und Wendetrommel direkt im laufenden Produktionsprozess. Ein wesentlicher Unterschied beider Methoden zeigt sich beim Thema Registergenauigkeit: Umschlagen gilt als vorteilhafter, weil sich Größendifferenzen im Papier weniger auswirken. Umstülpen stellt besonders hohe Anforderungen an die Formatgenauigkeit der kürzeren Bogenseite sowie an die Winkelgenauigkeit. Um passgenaue Ergebnisse zu sichern, empfiehlt sich ein mindestens dreiseitiger Vorbeschnitt der Bogen.
Für den Etikettendruck sind diese Begriffe dort relevant, wo Etiketten auf Bogenmaterial produziert werden, etwa im Bogenoffsetdruck. Zweiseitig bedruckte Produkte wie Etiketten mit Rückseiteninformationen, mehrsprachigen Aufdrucken oder Kontrollcodes erfordern einen präzise abgestimmten Wendevorgang, damit Vorder- und Rückseite registergenau übereinanderliegen. Hersteller müssen den Nutzenplan – die Anordnung der Etiketten auf dem Bogen – gezielt auf die gewählte Wendeart auslegen, da diese maßgeblich beeinflusst, wie Schnitt, Stanzung und Konfektionierung abgestimmt werden müssen. Darüber hinaus ermöglicht der gezielte Einsatz von Umschlagen oder Umstülpen die Produktion von Vorder- und Rückseite mit nur einem Satz Druckplatten, was bei standardisierten Etikettenlayouts mit symmetrischem Nutzenaufbau zu einer direkten Kostenersparnis führt. Für Käufer bedeutet eine korrekt auf die Wendeart abgestimmte Produktion eine höhere Maß- und Passgenauigkeit des fertigen Etiketts. Die Wahl zwischen Umschlagen und Umstülpen beeinflusst zudem Rüstzeiten, Durchlaufzeiten und den Investitionsbedarf in geeignete Maschinen mit oder ohne integrierter Wendeeinrichtung.