Der Begriff „Wasserbarriere“ ist im Etikettendruck kein normativ definierter Fachbegriff, sondern wird beschreibend für Eigenschaften verwendet, die in einschlägigen Normen und Fachtexten unter Bezeichnungen wie „wasserbeständig“, „feuchtigkeitsbeständig“ oder „seewasserbeständig“ geregelt sind. Gemeint ist damit ein Etikettenverbund oder eine Beschichtung, die verhindert, dass Wasser oder Feuchtigkeit zur Ablösung des Etiketts, zur Unlesbarkeit der Bedruckung oder zur Zerstörung des Materials führt. Technisch gesehen beschreibt die Wasserbarriere also eine Schutzfunktion, die durch die Kombination aus Trägermaterial, Klebstoff, Druckfarbe und gegebenenfalls Oberflächenbeschichtung erreicht wird.
Im praktischen Einsatz wird diese Barrierewirkung vor allem durch normgeprüfte Systeme realisiert. Die britische Norm BS 5609, international anerkannt für den Seetransport von Gefahrstoffen, definiert konkrete Anforderungen an Etiketten, die langanhaltender Einwirkung von Seewasser, Feuchtigkeit, UV-Strahlung und Salzwasser standhalten müssen. Etiketten, die nach BS 5609 geprüft sind, müssen während und nach der Seewasserimmersion dauerhaft lesbar und fest haftend bleiben. Hersteller sind dabei verpflichtet, Materialien, Klebstoffe und Druckverfahren so aufeinander abzustimmen und zu prüfen, dass diese Tests bestanden werden. Im industriellen Kennzeichnungsbereich, etwa im Schaltschrank- oder Maschinenbau, beschreiben Hersteller wie Phoenix Contact Kennzeichnungssysteme, deren Beschriftungen normgeprüft gegen Feuchtigkeit, Chemikalien, Temperatur, UV-Strahlung und mechanischen Abrieb beständig sind. Hier kommen spezielle Beschriftungs- und Drucksysteme zum Einsatz, die die Dauerhaftigkeit der Kennzeichnung in rauen Umgebungen sicherstellen. Für Beschichtungen an Stahlbauten und Stahlwasserbauwerken regelt die DIN EN ISO 12944 den Korrosionsschutz durch Nasslack-Beschichtungssysteme; die Bundesanstalt für Wasserbau ergänzt dies durch eigene Richtlinien für Beschichtungen im direkten Wasserkontakt.
Für den Etikettendruck ist die Wasserbeständigkeit eines Etiketts ein zentrales Auswahlkriterium, sobald das Etikett in feuchten, nassen oder maritimen Umgebungen eingesetzt wird. Wer Etiketten für den Seetransport von Gefahrgut beschafft oder herstellt, muss die Anforderungen der BS 5609 kennen und nachweislich erfüllen. Wer industrielle Kennzeichnungen für Anlagen in feuchter oder korrosiver Atmosphäre plant, muss Materialien und Druckverfahren wählen, die den einschlägigen Normtests standhalten. Die Wasserbeständigkeit ist dabei keine pauschale Eigenschaft, sondern ergibt sich aus dem gesamten Etikettenaufbau und muss durch genormte Prüfverfahren belegt werden. Der Begriff „Wasserbarriere“ fasst diese Anforderungen alltagssprachlich zusammen, ohne selbst normativ definiert zu sein.