WYSIWYG ist ein Akronym für „What You See Is What You Get“ („Was du siehst, ist das, was du bekommst“) und bezeichnet ein Software-Prinzip der Bildschirmanzeige, bei dem ein Dokument während der Bearbeitung exakt so dargestellt wird, wie es später auf einem Ausgabegerät – etwa einem Drucker – erscheinen wird. Es handelt sich dabei weder um ein Druckverfahren noch um ein Material, sondern ausschließlich um ein Darstellungs- und Bedienprinzip innerhalb von Software. Der Begriff stammt ursprünglich aus der Verlags- und Druckindustrie und wurde mit der Verbreitung digitaler Satz- und Layoutprogramme zum allgemeinen Standard in der Druckvorstufe.
In der praktischen Anwendung wird WYSIWYG durch sogenannte WYSIWYG-Editoren umgesetzt: Layout-, Satz- und Gestaltungsprogramme, in denen der Anwender Inhalte visuell bearbeitet, ohne Programmiercode oder druckerspezifische Befehle eingeben zu müssen. Die Bildschirmdarstellung entspricht dabei in Echtzeit weitgehend dem finalen Druckergebnis. Damit der Editor diese Übereinstimmung gewährleisten kann, berücksichtigt er die Eigenschaften des Zielausgabegeräts – eine technische Funktionsanforderung, die jedoch in keiner formalen Norm oder Branchennorm für den Druck verbindlich definiert ist. Das Prinzip ist ausgabeunabhängig und lässt sich auf beliebige Druckverfahren anwenden.
Für den Etikettendruck ist WYSIWYG in der Druckvorstufe von unmittelbarer Bedeutung. Etikettengestalter arbeiten in WYSIWYG-fähigen Programmen, in denen Texte, Barcodes, Logos, Bilder und das gesamte Layoutraster so auf dem Bildschirm erscheinen, wie sie später auf dem gedruckten Etikett zu sehen sein werden – unabhängig davon, ob die Ausgabe anschließend über Thermotransfer-, Digital- oder Flexodruckverfahren erfolgt. Das hat für Hersteller und Käufer von Etiketten konkrete Konsequenzen: Positionen einzelner Gestaltungselemente, Schriftgrößen und Abstände lassen sich bereits am Bildschirm zuverlässig beurteilen, ohne dass zuvor ein physischer Probeausdruck notwendig wäre. Dadurch sinken die technischen Einstiegshürden für die Etikettengestaltung, da keine Programmierkenntnisse erforderlich sind, und die Anzahl von Layoutfehlern, die erst nach dem Druck sichtbar werden, lässt sich reduzieren. Die visuelle Kontrolle während der Erstellung erhöht die Planungssicherheit und trägt dazu bei, den Gestaltungsprozess in der Druckvorstufe effizienter zu gestalten. WYSIWYG hat damit – obwohl selbst kein Druckverfahren – den Übergang vom Entwurf zum fertigen Etikett maßgeblich vereinfacht.