Durchreißfestigkeit

Durchreißfestigkeit bezeichnet im Etikettendruck die Kraft, die aufgewendet werden muss, um ein bereits eingeschnittenes Etikett weiter einzureißen. Es handelt sich damit um eine mechanische Kennzahl, die den Widerstand eines angerissenen Etiketts gegen das Fortschreiten eines Risses beschreibt. Sie ist von der Zugfestigkeit zu unterscheiden, die die maximale Zugkraft parallel zur Etikettenfläche bis zum vollständigen Bruch misst.

In der Praxis wird die Durchreißfestigkeit mithilfe geeigneter Prüfvorrichtungen ermittelt, bei denen ein eingeschnittenes Etikett gezielt weiter belastet wird, bis der Riss fortschreitet. Das Ergebnis ist ein messbarer Kraftwert, der als Qualitätskennzahl für das jeweilige Etikettenmaterial gilt und in der Qualitätssicherung herangezogen wird, um sicherzustellen, dass Etiketten den festgelegten Anforderungen entsprechen. Neben der gezielten Prüfung spielt die Durchreißfestigkeit auch im laufenden Produktionsprozess eine Rolle, da Etikettenmaterial beim Abrollen, Stanzen und Spenden mechanisch beansprucht wird und dabei nicht unkontrolliert einreißen darf.

Für die Auswahl und Herstellung von Etiketten ist die Durchreißfestigkeit ein zentrales Materialkriterium, dessen konkrete Anforderung stark vom Anwendungsfall abhängt. Papieretiketten weisen eine geringe Durchreißfestigkeit auf: Ein Einschnitt führt typischerweise zu leichtem Weiterreißen, da Cellulosefasern wenig Widerstand gegen Rissfortschritt bieten. Polyestermaterialien (PET) hingegen sind besonders stabil und können von Hand nicht zerrissen werden, weshalb sie hohe Durchreißfestigkeit aufweisen. Vinylmaterialien (PVC) reagieren auf Krafteinwirkung mit Dehnung statt mit Rissbildung und bieten so ebenfalls hohen Widerstand. Polyethylen (PE) dagegen reißt trotz folienartiger Optik ohne großen Kraftaufwand weiter – ein Verhalten, das bei Dokumentenfolien gezielt genutzt wird: Kombiniert mit einem extrem starken Klebstoff sorgt die geringe Durchreißfestigkeit dafür, dass das Etikett beim Ablöseversuch in kleine Fetzen zerreißt und sich nicht unbeschädigt übertragen lässt.

Für Hersteller bedeutet dies, dass Durchreißfestigkeit ein aktives Konstruktionsmerkmal ist, das durch die Wahl des Basismaterials und des Fertigungsverfahrens – etwa Folienextrusion oder der Einsatz verstärkter Fasern – gezielt beeinflusst wird. Robuste Industrieetiketten für den Einsatz in Stahl- oder Metallbereichen erfordern hohe Durchreißfestigkeit, um durchgängige Lesbarkeit von Barcodes und Kennzeichnungen sicherzustellen und Prozessstörungen zu vermeiden. Käufer und Anwender sollten die Durchreißfestigkeit ihres Etikettenmaterials daher als festen Bestandteil der technischen Spezifikation betrachten, denn unzureichende Werte führen zu Etikettenausfällen, Nacharbeit und im schlimmsten Fall zu Unterbrechungen in automatisierten Kennzeichnungsprozessen.