Dyne bzw. Dyne-Level bezeichnet die Oberflächenspannung oder Oberflächenenergie eines Materials, angegeben in der Einheit Dyn pro Zentimeter (dyn/cm), die numerisch dem SI-Wert Millinewton pro Meter (mN/m) entspricht. Der Wert beschreibt, wie gut eine Flüssigkeit eine feste Oberfläche benetzt: Bleibt sie als gleichmäßiger Film stehen oder zieht sie sich zu Tropfen zusammen. Physikalisch entsteht die Oberflächenspannung aus molekularen Kräften an oder nahe der Oberfläche eines Materials.
Gemessen wird der Dyne-Wert in der Praxis mithilfe von Dyne-Testtinten, Dyne-Stiften oder speziellen Testflüssigkeiten. Dabei werden Testtinten in aufsteigender Reihenfolge ihrer Dyne-Werte auf das Substrat aufgetragen. Bleibt der Flüssigkeitsfilm stabil, entspricht der Dyne-Wert des Substrats mindestens dem der aufgetragenen Testflüssigkeit; zieht sich die Flüssigkeit zu Tropfen zusammen, liegt die Oberflächenenergie des Substrats darunter. Verfügbare Testtinten decken typischerweise einen Bereich von 30 bis 72 mN/m ab, manche Prüfsysteme reichen bis 105 mN/m. Relevante Normen für dieses Verfahren sind ISO 8296 sowie DIN 53364, daneben wird auch auf ASTM/ISO 9277 verwiesen.
Für den Etikettendruck ist der Dyne-Wert ein zentrales Qualitätsmerkmal bei der Beurteilung von Substraten vor dem Druck, der Beschichtung oder der Laminierung. Druckfarben, Lacke und Klebstoffe können eine Oberfläche nur dann ausreichend benetzen und dauerhaft haften, wenn die Oberflächenenergie des Substrats hoch genug ist. Als Faustregel gilt in der Druckindustrie, dass die Oberflächenenergie des Polymers mindestens 10 Dyn höher liegen sollte als die Oberflächenspannung der verwendeten Tinte. Praktische Richtwerte für druckbare Oberflächen liegen bei etwa 38 mN/m, für anspruchsvollere Haftungsanforderungen werden Werte von 42 bis 46 mN/m oder mehr empfohlen. Liegt der Dyne-Wert zu niedrig, bildet die Tinte Tropfen statt eines geschlossenen Films, was zu ungleichmäßigem Druck oder unzureichender Klebstoffhaftung führt. Besondere Bedeutung hat der Dyne-Wert bei Kunststofffolien, die häufig eine niedrige Oberflächenenergie aufweisen und deshalb vor der Verarbeitung einer Vorbehandlung, etwa einer Plasmabehandlung, unterzogen werden, um ausreichende Benetzbarkeit zu erreichen. Hersteller setzen den Dyne-Test damit als Werkzeug zur Qualitätskontrolle ein, Käufer von Etiketten können anhand des Dyne-Werts beurteilen, ob ein Etikettenträger oder eine Zieloberfläche die nötigen Voraussetzungen für zuverlässigen Druck und sichere Haftung erfüllt.