Klebstoffgrammatur

Der Begriff „Klebstoffgrammatur“ ist im deutschsprachigen Fachvokabular des Etikettendrucks kein eigenständig normierter Terminus. Fachlich korrekt und gebräuchlich ist stattdessen „Grammatur“ als Flächengewicht eines bahnförmigen Materials, angegeben in g/m². In der Praxis findet sich im Etikettenbereich häufig der Kennwert „Grammatur inkl. Klebstoff“, der das Gesamtflächengewicht eines Etikettenmaterials inklusive seiner aufgetragenen Klebstoffschicht beschreibt – so nennt etwa Avery Zweckform in technischen Produktangaben konkret Werte wie 102 g/m² (±10 %) für diese Gesamtgrammatur.

Selbstklebende Etiketten bestehen grundsätzlich aus drei Schichten: dem Obermaterial aus Papier oder Folie, der Klebstoffschicht sowie dem Trägermaterial, dem sogenannten Liner. Bei der Herstellung wird zunächst ein Laminat erzeugt, indem das Obermaterial mit einem Klebstoff versehen und mit dem Liner zusammengeführt wird. Die resultierende Materialrolle wird anschließend auf Bahnbreite zugeschnitten und in schmalbahnigen Etikettendruckmaschinen weiterverarbeitet, wo Drucken, Veredeln, Stanzen und Aufwickeln in einem Durchlauf erfolgen. Als Klebstoffsysteme kommen dabei unter anderem Reinacrylate, modifizierte Acrylate, Elastomere, Kautschuk sowie Haftschmelzklebstoffe (Hotmelts) zum Einsatz, verarbeitet als Lösemittelsysteme, wässrige Dispersionen oder strahlenvernetzende Systeme.

Für den Etikettendruck ist die Gesamtgrammatur inklusive Klebstoffanteil aus mehreren Gründen ein relevanter Materialparameter. Hersteller müssen Materialeigenschaften und Klebstoff bereits vor dem Druckprozess präzise festlegen, weil beides unmittelbar die Laufeigenschaften in der Druckmaschine, das Stanzverhalten und die Weiterverarbeitbarkeit beeinflusst. Eine zu hohe oder ungleichmäßige Gesamtgrammatur kann den Maschinenlauf stören oder die Stanzqualität beeinträchtigen. Auch die Haptik und wahrgenommene Wertigkeit eines Etiketts hängen vom Flächengewicht ab, wobei eine höhere Grammatur nicht in jedem Anwendungsfall vorteilhaft ist. Für Käufer und Anwender von Etiketten ist die Materialspezifikation inklusive Klebstoffanteil beim Vergleich und der Auswahl von Etikettenmaterialien eine wichtige Orientierungsgröße: Sie steht in direktem Zusammenhang mit der Eignung für bestimmte Untergründe, der Klebedauer, der Beständigkeit gegenüber Umwelteinflüssen wie Kälte oder Feuchte sowie der Frage, ob ein Etikett dauerhaft, ablösbar oder nur temporär haften soll. Technische Datenblätter führen daher die Grammatur inklusive Klebstoff als einen von mehreren Kennwerten auf, etwa neben der Angabe zur Tiefkühltauglichkeit. Eine eigenständige Normierung des Begriffs „Klebstoffgrammatur“ konnte in den einschlägigen Fachquellen zum Etikettendruck nicht belegt werden.