Das Obermaterial ist die oberste, bedruckbare Schicht eines Haftetiketts und bildet damit die sichtbare Außenseite des fertigen Produkts. Es trägt den Druck und bestimmt maßgeblich sowohl die Optik als auch die Haltbarkeit des Etiketts. Im klassischen Dreischichtaufbau eines Haftetiketts steht das Obermaterial an erster Stelle, gefolgt von der Klebstoffschicht und dem Trägermaterial, das auch als Liner bezeichnet wird.
Grundsätzlich besteht das Obermaterial entweder aus Papier oder aus Folie beziehungsweise Kunststoff. Es ist jene Schicht, auf die im Druckprozess direkt gedruckt wird und die damit als Druckoberfläche für Motive, Texte, Barcodes und weitere Kennzeichnungen dient. In der Herstellung ist das Obermaterial Teil eines Laminats, das gemeinsam mit der Klebstoffschicht auf dem Trägermaterial verarbeitet wird. Dieses Laminat durchläuft anschließend eine Druckmaschine, wobei die Produktionsschritte typischerweise Abrollung, Bedruckung, Veredelung, Stanzung und Aufwicklung umfassen. Nach dem Druckvorgang wird das Obermaterial häufig zusätzlich behandelt, etwa durch Lackierung, Laminierung oder andere Veredelungsverfahren, um es für den jeweiligen Verwendungszweck zu optimieren. Als Druckverfahren kommen je nach Anwendung unter anderem Thermotransferdruck, Siebdruck, Flexodruck und Digitaldruck zum Einsatz.
Für den Etikettendruck ist die Wahl des Obermaterials eine der zentralen Entscheidungen im gesamten Produktionsprozess. Sowohl für Hersteller als auch für Einkäufer von Etiketten hat sie unmittelbare praktische Konsequenzen. Die Materialwahl zwischen Papier und Folie bestimmt, welche Druckverfahren und Veredelungen überhaupt geeignet sind, und beeinflusst direkt die Druckfähigkeit des Etiketts. Darüber hinaus wirkt sich das Obermaterial darauf aus, wie beständig ein Etikett gegenüber Umwelteinflüssen, mechanischer Beanspruchung oder chemischen Einwirkungen ist. Wer Etiketten beschafft, muss das Obermaterial deshalb immer in Bezug auf den konkreten Einsatzzweck bewerten: Ein Papieretikett verhält sich unter Feuchtigkeitseinfluss anders als ein Folienetikett, und nicht jede Oberfläche eignet sich gleichermaßen für alle Druckverfahren. Das Obermaterial ist damit kein rein technisches Detail, sondern ein zentrales Auswahlkriterium, das die Eignung des gesamten Etiketts für seine Aufgabe mitbestimmt. Auch die Klebstoffschicht, die das Etikett mit dem Untergrund verbindet und aus Materialien wie Acryl oder Hotmelt bestehen kann, wird stets in Abstimmung mit dem gewählten Obermaterial konzipiert, da alle drei Schichten des Haftetiketts aufeinander abgestimmt sein müssen.